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Mit dem Selfpublishing sollte alles anders werden – Konservatismus war damit jedoch nicht gemeint

Vielleicht trauere ich einfach nur zu sehr den Illusionen der ersten Stunde nach. Was wurde Mitte der 1990er Jahre gejubelt, als mit dem aufkommenden Digitaldruck ganz neue Veröffentlichungsmöglichkeiten entstanden. Endlich konnte jeder nicht nur schreiben, sondern auch veröffentlichen. Niemand musste sich mehr den Profitinteressen der Verlage unterordnen. Ganz viel Neues, noch nie Dagewesenes sollte entstehen.

Und heute? Wo sind all die vielen kreativen Neuschöpfungen? Vielleicht sehe ich immer nur die anderen Titel und nie die noch nie dagewesenen. Repräsentativ ist mein Überblick sicherlich nicht und sehr subjektiv zweifellos auch meine Wahrnehmung. Doch zahlreiche Gespräche mit Autorinnen und Autoren lassen für mich keine Zweifel aufkommen: Die Selfpublisher-Szene ist eher noch konservativer als die Verlagsszene.

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Ohne Verlage gibt es bald keine lesbaren Bücher mehr – oder doch?

Einfache Weltensichten mögen kurzfristig das Leben erleichtern, aber helfen sie einem, das Leben auch längerfristig erfolgreich zu meistern? Wer nicht nach rechts und nach links schaut, muss sich natürlich niemals die Frage stellen, ob sein Weg der einzig mögliche und damit auch richtige ist. Verlagsmenschen und Autoren bilden da keine Ausnahme.

Dass viele Verlage statt auf ein kreatives Nachdenken lieber auf ein stures ›Weiter so‹ setzen, ist hinlänglich bekannt, doch auch manche Autorinnen und Autoren sehen das Heil der Literatur eher im Beharren. So kommentierte erst dieser Tage die Schriftstellerin Sibylle Berg auf Twitter: »[U]nd wenn der letzte Verlag pleite ist werden wir erkennen, dass man Selfgepublishte Bücher selten mit Freude lesen kann«.

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Wenn Autoren ihre eigenen Bücher rezensieren und fremde Bücher verreißen …

Dass Buchautoren auch schon mal Rezensionen für ihre Bücher selber schreiben und die Bücher von Kollegen verreißen, ist nicht neu, auch wenn ein aktueller Bericht im Buchreport leicht diesen Eindruck erwecken könnte. Tatsächlich handelt es sich dabei keineswegs um eine unübliche Praxis. Bloß dass mit John Locke, R. J. Ellory und Stephen Leather jetzt gleich drei Autoren und zudem nicht gerade erfolglose dabei erwischt wurden.

Dass viele Verlage seit Jahren wohlfeile Rezensionen für »ihre« Autoren in Auftrag geben, wird in diesem Zusammenhang natürlich verschwiegen. Andernfalls müsste sonst das gesamte Bewertungs- und Rezensionsunwesen auf Amazon und Co., aber auch in den Feuilletons vieler Medien infrage gestellt werden.

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Über Autoren, die sich nicht »verbiegen« wollen

»Ich will gar keinen Verlag, denn dann muss ich mich nur verbiegen und erkenne mein Manuskript später nicht mehr wieder«, ist immer wieder von book on demand veröffentlichenden Autoren zu hören – und sie haben recht.

Man schaue sich nur diverse book on demand veröffentlichte Bücher an: Kommata scheinen mit der Streusandbüchse verteilt, die Erzählperspektive wechselt nach Belieben, es wimmelt von Rechtschreib- und Grammatikfehlern, der Erzählstil erinnert an bessere Schulaufsätze. Selbstverständlich wird in Romane mit einem Prolog eingestiegen, in dem mit der gleichen Selbstverständlichkeit massives Informationsdumping betrieben wird.

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Egal ob gedruckte Bücher oder Ebooks: sie wollen vor allem gelesen werden

Auch wenn Michail Gorbatschow der legendäre Satz »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben« nur in den Mund gelegt wurde, an seiner Richtigkeit lässt sich nur schwer zweifeln. Einst auf die große Politik gemünzt, gilt er doch viel umfassender. Das müssen derzeit auch Teile der Buchbranche erkennen.

Verlage und Buchhandel stehen vor tiefgreifenden Umwälzungen. Wohin der Weg geht, lässt sich bislang nur ahnen. Dass die zunehmende Digitalisierung nicht ohne Folgen bleiben wird, ist jedoch nicht mehr zu übersehen. Die Umverteilungskämpfe haben längst begonnen. Wo bis vor kurzem noch ein Heer von Lektoren, Korrektoren, Buchgestaltern, Grafikdesignern, Druckern, Buchbindern, Vertrieblern, Lageristen und Auslieferungsfahrern die Bücher unter das Volk brachten, werden heute immer häufiger nur noch wenige IT-Fachleute, Designer, Lektoren und Korrektoren gebraucht.

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