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Die Rechtschreibreform ist an allem schuld
Wenn es die Rechtschreibreform von 1996 mit ihren zahlreichen Änderungen 2004 und 2006 nicht gegeben hätte, man müsste sie glatt erfinden, so praktisch scheint sie für manche Autorinnen und Autoren zu sein.
Muss es »sie« oder »Sie« heißen, »das« oder »dass«, »Paket« oder »Packet«, »viele« oder »fiele«, »günstig« oder »günstich«, »Interesse« oder »Interresse«, »seid« oder »seit«? Vor der Rechtschreibreform sei das alles viel einfacher gewesen, aber mit ihr hätten sie den Durchblick verloren. Alles sei viel komplizierter geworden, »niemand« wisse mehr, was wie geschrieben werden müsse.
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Verschlagwortet mit Rechtschreibreform, Sprache, Sprachkompetenz
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Wer würde schon einen halbgaren Braten genießen wollen?
Vielleicht empfinden andere es als pingelig, aber so wenig ich einen halbgaren Braten genießen mag, so schnell lege ich auch ein Buch zur Seite, das mich bereits auf dem Cover mit einem »Kurz - Geschichten« begrüßt. Wenn Autorinnen und Autoren schon auf dem Bucheinwand jede Sorgfalt vermissen lassen, wie mag es dann erst im Buchinnern aussehen?
Okay, diesmal habe ich schließlich doch noch einen Blick hinein gewagt – und wurde leider bestätigt: Da wimmelt es von »E-books«, werden Binde- und Gedankenstriche nach dem Zufallsprinzip gesetzt, wird ein doppeltes Gradzeichen »°°« als Zeichen für »geboren« verwendet oder dienen »„« auch mal als schließende Anführungszeichen und – vielleicht zum Ausgleich – »“« als öffnende Anführungszeichen. Diese wenigen Beispiele mögen genügen.
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Verschlagwortet mit Anführungszeichen, Rechtschreibung, Sprache, Zeichensetzung
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Wie kommt ein Mensch ohne Füße auf die Füße?
Wer gebraucht nicht gerne mal Gemeinplätze und Phrasen, um seine Reden und Texte vermeintlich farbiger zu gestalten? Manchmal allerdings kann man mit ihnen aber auch gewaltig danebenliegen. Das dürfen wir gerade in der Berichterstattung über den beidseitig beinamputierten 400-Meter-Läufer Oscar Pistorius erleben, der seine Freundin ermordet haben soll. Ein Haftrichter habe entschieden, dass er in Haft bleiben und – wie Münchner Abendzeitung, Focus, Die Welt, n-tv und viele andere Medien unisono berichten – vorerst nicht »auf freien Fuß« gesetzt werde.
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Das Wunder des höheren 4:0-Sieges
Radio hören, heißt Wunder erleben. Da verkündet doch ein Fußballreporter am Wochenende tatsächlich, der »4:0-Sieg hätte noch höher ausfallen können«. Wie das gehen soll? Ich weiß es nicht. Mögicherweise hätte die Fußball-Elf von Bayern München gegen die Schalker Elf auch mit 5:0 oder vielleicht sogar 6:0 gewinnen können, aber zweifellos wäre das dann weder mehr ein 4:0-Sieg noch ein höherer 4:0-Sieg gewesen.
Bei Journalisten, die eigentlich Meister des Wortes sein wollen, scheint diese Formulierung allerdings sehr beliebt zu sein. Jedenfalls habe ich sie bereits häufiger im Radio gehört. Nur die entgegengesetzte Formulierung, der 4:0-Sieg hätte auch niedriger ausfallen können, ist mir interessanterweise noch nicht zu Ohren gekommen.
Medien lassen Diskussionen »entbrennen« – und scheuen das Diskutieren
»In Deutschland ist eine Diskussion über … entbrannt.« Die drei Punkte kann jeder nach eigenem Belieben ersetzen. In Deutschland »entbrennt« über vieles eine Diskussion, jedenfalls wenn man Rundfunksendern wie Radio Berlin-Brandenburg glaubt. Heute ist sie über die Familienpolitik der Bundesregierung entbrannt, gestern war es die Quotierung von Frauen in Führungspositionen und vorgestern die religiös motivierte Beschneidung von Jungen. Die entbrannte Diskussion ist zu einer der beliebtesten Floskel vieler Rundfunk-Journalisten geworden.
Natürlich könnte man auch formulieren: »In Deutschland wird über … diskutiert« oder, wenn es etwas aufgeregter klingen soll, »In Deutschland wird heftig über … diskutiert.« Aber vielleicht klingt das zu volksnah. Oder noch schlimmer, es würde die ganze Plattheit derartiger Meldungen und Kommentare offenkundig.
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