Schlagwort-Archive: Schriftstellerin

Regina Scheer auf der Suche nach Spuren des jüdischen Kinderheims Ahawah in der Berliner Auguststraße

Die Fenster im Erdgeschoss sind zugeklebt, von der Toreinfahrt bröckelt der Putz und ab dem ersten Stock ist die Fassade mit einem Netz zugehangen. Der Verfall ist nicht zu übersehen. Dabei ist es kein Haus wie viele andere. Eine Gedenktafel verkündet vielmehr, dass sich hier einst das jüdische Kinderheim Ahawah befand, bevor die Nazis es zu einem Sammellager für zur Deportation vorgesehene alte und kranke jüdische Menschen bestimmten.

Dass die Geschichte dieses Hauses dem Vergessen entrissen wurde, ist vor allem der Schriftstellerin Regina Scheer zu verdanken. Über Jahrzehnte hat sie Spuren gesucht und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zusammengetragen. Die Ergebnisse hat sie schließlich in dem Buch »AHAWAH. Das vergessene Haus: Spurensuche in der Berliner Auguststraße« zusammengefasst.

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Saphia Azzeddine lässt ihren Helden in »Mein Vater ist Putzfrau« nach Worten und Frauen suchen

Eines muss ich Saphia Azzeddine bescheinigen: Ihren Roman »Mein Vater ist Putzfrau« zu lesen, bereitet viel Vergnügen. Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Paul, genannt Polo. Er lebt in einer der Pariser Banlieues, ist weiß, hässlich und arm. Seine Mutter sitzt im Rollstuhl, die Schwester hangelt sich durch die Betten und träumt von einer Karriere als Schönheitskönigin und sein Vater verdingt sich als Reinigungskraft, um der Familie ein leidliches Auskommen zu sichern.

Nach der Schule greift Paul ihm oft unter die Arme. Er poliert, putzt, scheuert und saugt Staub, damit »wir früher nach Hause kommen. Und auch, weil er mein Vater ist«.

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Mit Ruth Rehmann starb jetzt eine der Letzten aus der legendären Gruppe 47

Ruth Rehmann? Ruth Rehmann … Nie gehört. Hätte es nicht die zahlreichen Nachrufe auf die am 29. Januar 2016 kurz vor ihrem 94. Geburtstag verstorbene Schriftstellerin gegeben, wäre mir der Name wohl auch weiterhin unbekannt geblieben. Dabei ist ihr Werk nicht gerade klein zu nennen und gehörte sie zu den Autorinnen und Autoren der legendären Gruppe 47.

Dass sie sich gegen Schriftsteller wie Günter Grass, Martin Walser oder Heinrich Böll nicht durchzusetzen vermochte, lag weniger an der literarischen Qualität ihrer Bücher als vielmehr an ihrer Zurückhaltung, was ihre eigenen Werke betraf, und den teilweise vielen Jahren Abstand zwischen ihren Veröffentlichungen. Trotzdem weist die Deutsche Nationalbibliothek 13 Romane und Erzählbände von ihr aus, zu denen noch rund ein Dutzend Hörspiele hinzukommen.

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»Ronar – Drei Ähren«: ein glanzvoller Abschluss der Fantasy-Trilogie von Anke Höhl-Kayser

Ich sollte häufiger die Festplatte meines Computers aufräumen. Wäre nicht der Speicherplatz knapp geworden, hätte ich es wohl auf die lange Bank geschoben, doch so war nach langer Zeit wieder einmal eine Aufräumaktion fällig. Und das war gut so, denn so bin ich auch auf die angefangene, aber nicht vollendete Rezension des dritten, abschließenden Bandes der Ronar-Trilogie von Anke Höhl-Kayser gestoßen.

Erschienen ist »Ronar – Drei Ähren« bereits 2012. Mit ihm hat die 2009 begonnene Fantasy-Trilogie um Ronar, den jungen Elthen, ihren Abschluss. So wie »Ronar« und »Ronar – Zwei Welten« habe ich auch diesen Band gerne gelesen, obwohl Fantasy sonst selten mein Interesse weckt. Aber Anke Höhl-Kayser und ihr Ronar ist es gelungen, mich wider Erwarten doch mitzureißen.

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Ein Gedicht ist ein Gedicht ist ein Gedicht – oder auch nicht

Wann ist ein Gedicht ein Gedicht? Fast jeder Literaturinteressierte dürfte sich diese Frage bereits einmal gestellt haben. Auch wenn die Meisten in der Schule mit Gedichtinterpretationen gequält worden sein dürften und Viele auch das eine oder andere Gedicht auswendig lernen mussten, für die Beantwortung dieser Frage hilft das alles nur sehr wenig.

Kerstin Hensels neuestes Buch – »Das verspielte Papier: Über starke, schwache und vollkommen misslungene Gedichte« – war für die Literaturwerkstatt Berlin der Anlass, zu einer Podiumsdiskussion mit ihr und Monika Rinck einzuladen, in der es genau um diese Frage ging. Seit mehr als 25 Jahren geht die Autorin Kerstin Hensel in Schulen und unterrichtet an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin über den Umgang mit Gedichten. Als Ergebnis ihrer Erfahrungen ist »Das verspielte Papier« herausgekommen.

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