Schlagwort-Archive: Schriftstellerin

Ursula Krechels »Landgericht« taumelt zwischen Roman und Geschichtsbuch

Als »Archivarin des Verdrängten« bezeichnete der Literaturkritiker Ulrich Rüdenauer in der Zeit die Schriftstellerin Ursula Krechel, als sie 2012 für ihren Roman »Landgericht« mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Was er allerdings als großes Lob verstand, benennt für mich das großes Manko dieses Romans: Er ist zu sehr historische Dokumentation, zu wenig Literatur.

Dabei beginnt »Landgericht« sehr vielversprechend: »Er war angekommen. Angekommen, aber wo.« Was ließe sich aus diesen beiden Sätzen alles entwickeln? Nun gebe ich zwar gerne zu, dass mich philosophische Fragestellungen schon sehr lange faszinieren, aber auch aus erzählerischer Sicht lassen diese knappen Worte viel erwarten.

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Von der belgisch-deutschen Grenze nach Sibirien und zurück

Auch in ihrem zweiten Roman, »Fräulein Engel«, entführt Maryanne Becker die Leser in ihre ostbelgische Heimat. Doch diesmal geht die Reise weiter – bis nach Sibirien.

Vor 40 Jahren hat die Psychoanalytikern Thresje zum letzten Mal ihre Heimat gesehen. Jetzt bringt ein Seminar für ehemalige Kriegskinder sie zurück. Nie hat bislang jemand versucht, ihnen bei der Aufarbeitung der lange zurückliegenden Kriegs- und Nachkriegserlebnisse zu helfen. Doch was für Thresje eine Routineveranstaltung werden soll, bringt sie bereits an der Hotelrezeption aus dem Gleichgewicht.

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Mit den »Geschichten für Entdecker« auf Schatzsuche

»Geschichten für Entdecker« heißt eine Kurzgeschichten-Anthologie, die schon vor einiger Zeit erschienen ist. Elf Autorinnen und Autoren haben in ihrer persönlichen Schatztruhe gesucht und so zum Gelingen beigetragen. Dementsprechend breit gefächert sind die Themen wie der Schreibstil.

Besonders gefallen haben mir »Schlüssel zur Vergangenheit« von Maryanne Becker, »Ein echtes Schmuckstück« von Barbara Schilling sowie »Mein Schatz« von Matthias Gerschwitz. Maryanne Becker entdeckt in ihrer Geschichte den Schlüssel zu einer Vergangenheit, die sie vergeblich zu verdrängen versucht hatte. Barbara Schilling geht im Internet auf die Suche nach einem Eigenheim und Matthias Gerschwitz sucht nach einem Schlager, den es nie gegeben haben soll.

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Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 ging nicht unberechtigt an Maja Haderlap

Auch wenn die Entscheidung sehr knapp war und erst im vierten Wahlgang fiel, wirklich überraschend kam sie nicht: Viele Beobachter der Tage der deutschsprachingen Literatur in Klagenfurt hatten Maja Haderlap mit ihrem Prosatext »Im Kessel« als große Favoritin für den Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 gehandelt. Auch für mich war »Im Kessel«, ein Auszug aus ihrem Roman »Engel des Vergessens«, einer der überzeugendsten Texte des Wettbewerbs.

Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das seinen Vater auf einen Ausflug in den Wald begleitet und hier der Geschichte seiner Familie begegnet. Hinter der Geschichte der Familie verbirgt sich zugleich die Geschichte der im Kärntner Grenzland lebenden Slowenen, für die das Erinnern an die Nazizeit und die Partisanenkämpfe nie aufgehört hat.

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Melinda Nadj Abonjis Sprache ist kühner als die in »Tauben fliegen auf« erzählte Geschichte

Für die ersten hundert Seiten von Melinda Nadj Abonjis Tauben fliegen auf brauchte ich nur einen Nachmittag und Abend. In wunderbar langen Sätzen erzählt die Preisträgerin des Deutschen und Schweizer Buchpreises 2010 die Geschichte der Familie Kocsis, die in den 1970er Jahren in die Schweiz auswanderte. Hier, wo im Gegensatz zum Balkan Frieden herrscht und der Wohlstand zum Greifen nahe scheint, hoffen sie eine neue Heimat zu finden.

Das hindert sie allerdings nicht, regelmäßig ihre alte Heimat zu besuchen. Mit einem dieser Besuche beginnt auch der Roman. Nichts hat sich in dem Städtchen in der Voivodina geändert. Alles ist so »wie im letzten Sommer und all die Jahre zuvor«: Wellblechhütten, in Lumpen gekleidete Menschen, zwischen Autowracks und Müll spielende Kinder, von Staub bedeckte Pappeln.

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