Schlagwort-Archive: Roman

Locker-flockig erzählt Alfred Stadlmann über eine ganz spezielle Abrechnung

Das muss man Alfred Stadlmann lassen: Er kann schreiben. Locker-flockig erzählt er aus dem Leben von Richard Seller, der als Verkäufer bei der Firma Melloplast arbeitet, bis ihn ein Herzinfarkt aufs Krankenlager zwingt. Für seinen Chef Kurt Fallberger gehört er damit ausrangiert. Seller wird entlassen.

Doch dann kommt die Stunde der Rache. Seller hat seine einstigen Kollegen und Stammtischfreunde zu einer »Stammtischsondersitzung« eingeladen. Je später die Stunde wird, desto ungezwungener lassen die Stammtischfreunde die gemeinsame Vergangenheit auferstehen. Mit einem Schuss Erotik heizt Alfred Stadlmann die Stimmung in der Kneipe zusätzlich an. Als Kurt Fallberger das Lokal betritt, scheint die Stunde der Abrechnung gekommen. Fallberger muss wie ein begossener Pudel abziehen.

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Gedanken zum 200. Geburtstag von Iwan Alexandrowitsch Gontscharow

Kein anderer Roman konnte mich als Jugendlichen so begeistern wie Iwan Alexandrowitsch Gontscharows »Oblomow«. Bereits die ersten Sätze zogen mich in ihren Bann:

In der Gorochowajastraße, in einem der großen Häuser, dessen Bevölkerung für eine ganze Kreisstadt ausgereicht hätte, lag des Morgens Ilja Iljitsch Oblomow in seiner Wohnung auf dem Sofa. Er war ein etwa zweiunddreißigjähriger Mann von mittlerem Wuchs und angenehmem Äußern, mit dunkelgrauen Augen, die über Wand und Zimmerdecke sorglos streiften und jenes unbestimmte Sinnen ausdrückten, welches darauf hinwies, daß ihn nichts beschäftigte und nichts beunruhigte. Die Sorglosigkeit ging vom Gesicht auf die Stellung des ganzen Körpers und selbst auf die Schlafrockfalten über. Manchmal trübte sich sein Blick durch einen Anflug von Müdigkeit oder Langeweile.

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»Die dunkle Mühle«: ein dokumentarischer Episoden-Roman über die Familie Gollwitzer

Als Friederike Gollwitzer den Haushalt ihres verstorbenen Vaters auflöst, findet sie ein großes, braunes Kuvert mit vielen eng beschriebenen Zetteln, Umschlägen und Papiertüten sowie einem Packen mit einer Schreibmaschine beschriebener Blätter. Auf einem dieser Blätter liest sie: »Kindheit und Jugend in Mohrenstein. Erinnerungen unseres Vaters Karl Gollwitzer (1868–1947)«.

Damit beginnt für Friederike eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit ihrer weitverzweigten Familie. Unterstützt wird sie von dem Schriftsteller und Soziologen Arno Schott, den der aufmerksame Leser bald als den Buchautor Gerd Scherm identifizieren dürfte. Bei dem, wie es heißt, dokumentarischen Episoden-Roman »Die dunkle Mühle. Eine Gollwitzer-Saga« handelt es sich schließlich um nicht weniger als eine literarisch aufbereitete Chronik der Familie Gollwitzer, deren berühmtester Sprössling der Theologe Helmut Gollwitzer war.

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Franz Josef Degenhardt blieb seinen Ansichten und Hoffnungen bis zum Schluss treu

Wann ich das erste Mal bewusst einen Text von Franz Josef Degenhardt gehört oder gelesen habe, vermag ich nicht mehr zu sagen. Nur eines weiß ich: Es war nicht sein berühmtes Lied »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern«. 1965 interessierte mich Politik erst wenig und in dem Jugendfreizeitheim, in dem ich einen großen Teil meiner freien Zeit verbrachte, war trotz der Nähe zur Naturfreundejugend alles jenseits deutscher Volksmusik und Volkslieder verpönt.

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Eugen Ruges »In Zeiten des abnehmenden Lichts« als konservativer Lebensentwurf

Auch wenn etliche Buchhändler vor der Verleihung des Deutschen Buchpreises lamentiert haben, dass in der Shortlist kein Titel stehe, mit dem sich richtig Geschäfte machen machen ließen: Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Von Eugen Ruges Roman »In Zeiten des abnehmenden Lichts« sind von Anfang September bis Mitte Oktober bereits 250.000 Exemplare verkauft worden, und bis zum Jahresende hofft der Rowohlt-Verlage noch weitere 150.000 Exemplare absetzen zu können.

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