Schlagwort-Archive: NS-Zeit

Historiker Karsten Heinz Schönbach belegt detailreich aktive Unterstützung der deutschen Konzerne für die NSDAP

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen.

Schönbach setzt sich in dem auf seine Dissertation zurückgehenden Werk dezidiert mit der von der bürgerlichen Geschichtsforschung verbreiteten Behauptung auseinander, bestenfalls Teile der deutschen Wirtschaft hätten Hitler und die NSDAP unterstützt, die Mehrheit sei vielmehr selbst ein Opfer der Faschisten geworden.

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Das Wort: eine der spannendsten deutschen Literaturzeitschriften

Eigentlich wollte ich nur die drei Essays nachlesen, die 1938 in der literarischen Monatsschrift Das Wort zur Sprache im NS-Staat erschienen sind, doch dann entpuppte sich der 1968 in der DDR veröffentlichte fotomechanische Nachdruck als wahre Fundgrube, die mich zunehmend in ihren Bann zog.

Vor allem hat mich begeistert, wie unter den schwierigen Bedingungen des Exils vom Juli 1936 bis März 1939 allmonatlich in Moskau eine deutschsprachige Literaturzeitschrift erscheinen konnte, die gefüllt war mit zeitgenössischer Prosa und Lyrik, mit Essays zu aktuellen literatur- und sprachwissenschaftlichen Themen, mit Buchkritiken, mit Kurzberichten zum literarischen Geschehen sowie einer Übersicht über die aktuelle antifaschistische Publizistik.

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Jüdisches Museum zeigt Erstausgaben von in der NS-Zeit verbotenen und verbrannten Büchern

In den 1970er Jahren begann George Warburg, der 1934 als Kind mit seinen Eltern Deutschland verlassen hatte, Erstausgaben von Büchern zu sammeln, die von den Nazis verbrannt und verboten worden waren. Im Laufe der Zeit trug er so mehr als 400 Bücher zusammen. 2012 schenkte George Warburg seine Sammlung schließlich dem Jüdischen Museum in Berlin. Eine Auswahl daraus ist noch bis zum 15. September 2013 in der Sonderausstellung »Bambi und die Relativitätstheorie« des Jüdischen Museums Berlin zu sehen.

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Erinnern an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren reicht nicht

Die Verfolgung Hunderter Autorinnen und Autoren sowie die öffentliche Vernichtung ihrer Werke seien Teil eines Zivilisationsbruchs gewesen, der bis heute in Kultur und Wissenschaft nachwirke, resümierte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert auf einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung. Und er forderte, aus der Geschichte Lehren zu ziehen.

In 22 deutschen Hochschulstädten verbrannten die Nazis am Abend des 10. Mai 1933 die Bücher von über 300 Schriftstellern, darunter die Werke von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Heinrich und Klaus Mann, Erich Maria Remarque, Heinrich Heine, Frank Wedekind, Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht, Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Joachim Ringelnatz und Lion Feuchtwanger. Alleine in Berlin flogen unter dem frenetischen Beifall von 70.000 Zuschauern mehr als 20.000 Bücher von 94 Autoren in die Flammen. Weitere Bücherverbrennungen folgten in den kommenden Wochen noch in mehr als 60 Städten.

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Die Regisseurin und Autorin Annelie Thorndike ist tot

Das erste Mal begegnete mir der Name Annelie Thorndike in den sechziger Jahren als Drehbuchautorin und Regisseurin des zweiteiligen Dokumentarfilms »Das russische Wunder«, der die Geschichte Russlands vom Kaiserreich bis zur Sowjetunion erzählte. Oder genauer gesagt: ihr Name begegnete mir gemeinsam mit dem ihres Ehemannes Andrew Thorndike, der wie sie und weitere Filmschaffende als Regisseur und Drehbuchautor beteiligt war.

Auch wenn »Das russische Wunder« von Pathos strotzte, überzeugte der Film nicht nur mich, sondern mehr als 150 Millionen Menschen in aller Welt. An diese Eindrücke konnte der von Annelie und Andrew Thorndike verfasste Dokumentarband »Das russische Wunder« mit Bildern, Geschichten und Dokumenten zur Geschichte Russlands und der Sowjetunion nur eingeschränkt heranreichen, auch wenn er in der DDR in mehreren Auflagen erschien und wie schon der Film in verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Beide waren vor allem Filmemacher, weniger Autoren.

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