Schlagwort-Archive: NS-Diktatur

Christian Adam über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945

Seitdem 2010 seine Untersuchung »Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich« erschienen ist, gilt der Literaturwissenschaftler Christian Adam als Fachmann für eine neue, ungewohnte Betrachtungsweise des nationalsozialistischen Literaturbetriebes. Auf einer Diskussionsveranstaltung am 22. März 2016 im Literaturforum im Brecht-Haus stellte er nun seine neueste Untersuchung vor: »Der Traum vom Jahre Null. Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945«.

Für Adam bestehen keine Zweifel, dass »wir« 1945 nicht bei null begonnen haben. Das konnte alleine schon deshalb nicht der Fall sein, weil die Menschen die gleichen geblieben waren. So wenig wie sich ihr Weltbild alleine durch die Befreiung – oder, wie wohl eine Mehrheit formulierte, die Niederlage – änderte, änderten sich auch ihre Lesegewohnheiten.

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Jüdisches Museum zeigt Erstausgaben von in der NS-Zeit verbotenen und verbrannten Büchern

In den 1970er Jahren begann George Warburg, der 1934 als Kind mit seinen Eltern Deutschland verlassen hatte, Erstausgaben von Büchern zu sammeln, die von den Nazis verbrannt und verboten worden waren. Im Laufe der Zeit trug er so mehr als 400 Bücher zusammen. 2012 schenkte George Warburg seine Sammlung schließlich dem Jüdischen Museum in Berlin. Eine Auswahl daraus ist noch bis zum 15. September 2013 in der Sonderausstellung »Bambi und die Relativitätstheorie« des Jüdischen Museums Berlin zu sehen.

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Die meisten der den Juden geraubten Bücher stehen noch immer unentdeckt in den öffentlichen Bibliotheken

Es ist nur eine kleine Ausstellung, die im einstigen Repräsentantensaal der von den Nazis zerstörten Neuen Synagoge in der Berliner Oranienburger Straße den Spuren von Büchern nachgeht, die verfolgten und ermordeten Juden geraubt und den öffentlichen Bibliotheken einverleibt wurden.

Mit den 1998 verabschiedeten Washingtoner Grundsätzen über den Umgang mit während der NS-Diktatur entzogenem Eigentum und der 1999 abgegebenen Erklärung der Bundesregierung, der Bundesländer und der kommunalen Spitzenverbände über das Auffinden und die Rückgabe entzogenen Kulturgutes hat sich die Situation zwar verbessert, rechtlich verbindlich sind jedoch weder diese Erklärung noch die Washingtoner Grundsätze. Nicht die Institutionen, die sich die Bücher einverleibt haben, müssen aktiv werden, sondern die Überlebenden der NS-Diktatur und deren Nachfahren.

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Erinnern an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren reicht nicht

Die Verfolgung Hunderter Autorinnen und Autoren sowie die öffentliche Vernichtung ihrer Werke seien Teil eines Zivilisationsbruchs gewesen, der bis heute in Kultur und Wissenschaft nachwirke, resümierte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert auf einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung. Und er forderte, aus der Geschichte Lehren zu ziehen.

In 22 deutschen Hochschulstädten verbrannten die Nazis am Abend des 10. Mai 1933 die Bücher von über 300 Schriftstellern, darunter die Werke von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Heinrich und Klaus Mann, Erich Maria Remarque, Heinrich Heine, Frank Wedekind, Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht, Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Joachim Ringelnatz und Lion Feuchtwanger. Alleine in Berlin flogen unter dem frenetischen Beifall von 70.000 Zuschauern mehr als 20.000 Bücher von 94 Autoren in die Flammen. Weitere Bücherverbrennungen folgten in den kommenden Wochen noch in mehr als 60 Städten.

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Sarkowicz’ und Mentzers Lexikon »Schriftsteller im Nationalsozialismus« in einer Neuauflage erschienen

Eine Rezension über eine Rezension schreiben? Eigentlich halte ich davon überhaupt nichts. Aber jede Regel, sei sie auch noch so gut begründet, kann und muss der Mensch mal brechen. »Lexikon und Gedächtnis. Am 10. Mai 1933 brannten Bücher« ist eine der Rezensionen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

In 22 deutschen Hochschulstädten verbrannten die Nazis am Abend des 10. Mai 1933 die Bücher von über 300 Schriftstellern, darunter die Werke von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Heinrich und Klaus Mann, Erich Maria Remarque, Heinrich Heine, Frank Wedekind, Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht, Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Joachim Ringelnatz und Lion Feuchtwanger. Weitere Bücherverbrennungen folgten in den kommenden Wochen noch in mehr als 60 Städten.

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