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Der Kampf der Medien mit dem Konjunktiv

»Deutsche Sprache, schwere Sprache« ist von Ausländern, die sich mit dem Erlernen unserer Sprache plagen, immer wieder zu hören. Doch nicht nur sie, sondern auch viele Deutsche und selbst jene, die täglich mit der Sprache zu tun haben wie Journalisten und Autoren tun sich mit ihr häufig schwer. Jüngstes Beispiel, gehört und gelesen in den Mittagsnachrichten von Radio Berlin-Brandenburg (RBB) am 9. März 2017: »Bundeskanzlerin Merkel sagte, die Wiederwahl Tusks sei ein Zeichen der Stabilität in der EU.«

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Was wir können müssen wir nicht auch dürfen

Ist Deutsch wirklich eine schwere Sprache? Manchmal könnte man es wirklich denken. Nehmen wir zum Beispiel die beiden Verben »können« und »dürfen«. »Bundesverfassungsgericht: Gewerkschafter dürfen Flashmobs im Arbeitskampf nutzen« titelte beispielsweise Spiegel Online, um im Vorspann des Berichtes fortzufahren: »Gewerkschaften können ihren Forderungen auch mit Flashmob-Aktionen Nachdruck verleihen.«

Nun sind beide Formulierungen nicht falsch. Können besagt schließlich nichts anderes, als, wie es im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen heißt, zu etwas »fähig, in der Lage, imstande [zu] sein« oder, wie das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache formuliert, »die geistige, körperliche Fähigkeit zu etw. [zu] haben«. Dass es den Gewerkschaften daran mangeln könnte, dürfte sich wohl kaum ernsthaft behaupten lassen.

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Hassliteratur erfreut sich erschreckend großer Nachfrage

Hassliteratur findet in Deutschland reißenden Absatz. Er hetzt gegen »grün-rot-versiffte Wichser«, »grün-versiffte Politik«, Homosexuelle als »Abnorme« und »Abseitige«, Frauen, die sich nicht mehr dem traditionellen Frauenbild unterordnen wollen, gegen eine »linksversiffte Presse«, gegen über Diskriminierung redende »Gutmenschen« und »dieses ganze Multikulti«. Doch das über eine Zwangsabgabe von allen Bundesbürgern finanzierte öffentlich-rechtliche ZDF bietet ihm eine offene Bühne und die Leser stürmen die Buchläden. Innerhalb von zehn Tagen war die Startauflage von Akif Pirinçcis Hetzschrift »Deutschland von Sinnen – Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer« verkauft.

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Autorinnen und Autoren aus 83 Ländern rufen zur Verteidigung der Demokratie gegen die digitale Massenüberwachung auf

562 Autorinnen und Autoren aus 83 Ländern, unter ihnen die Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Elfriede Jelinek, Orhan Pamuk, Tomas Tranströmer und J. M. Coetzee, haben sich mit einer »öffentlichen Intervention gegen die Gefahren der systematischen Massenüberwachung« an die Weltöffentlichkeit gewandt, »die zentrale Bedeutung der Bürgerechte im digitalen Zeitalter anzuerkennen«.

Den meisten bundesdeutschen Medien war das allerdings nur eine mehr oder weniger kurze Meldung wert. Ausführlicher berichtete nur eine Minderheit, diese allerdings nicht nur sehr umfangreich, sondern auch mit deutlicher Sympathie für den Aufruf. Trotz der Zurückhaltung vieler Medien übertraf deren Resonanz insgesamt jedoch die Resonanz in der Politik immer noch um ein Vielfaches.

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… hat sich empört über jüngste Meldungen geäußert

Ich habe ja nichts dagegen, wenn jemand formuliert, der Grünen-Politiker Konstantin von Notz »hat sich empört über jüngste Meldungen zu den Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA geäußert« oder ein Unternehmen sei wenig auskunftsfreudig, denn »Presseanfragen lehnt es grundsätzlich ab«. Wenn solche Formulierungen allerdings von Redakteuren stammen, wirft sich mir doch die Frage nach ihrem Selbstverständnis auf.

Einem Kraftfahrzeug-Mechatroniker oder einem Elektroinstallateur, der bereits am fachgerechten Umgang mit seinem Werkzeug scheitert, einem Chirurgen, der nicht den Umgang mit dem Skalpell beherrscht, einem Zahnarzt, der den Bohrer nicht zu führen weiß, solchen Menschen würde wohl niemand sich oder seinen Besitz anvertrauen. Redakteuren nehmen wir dagegen ab, dass sie uns gut und richtig zu informieren vermögen, obwohl wir immer wieder erleben müssen, dass sie ihr Handwerkzeug Sprache nur mangelhaft beherrschen.

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