Schlagwort-Archive: Lyrik

Widad Nabi und Sjón als Entdeckungen auf dem Berliner Lyrikmarkt

Dieses Jahr waren es vor allem zwei Namen, die dem Lyrikmarkt am letzten Juniwochenende in der Akademie der Künste in Berlin für mich ihren Stempel aufdrückten: die in Kobanê geborene und vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohene Widad Nabi und der Isländer Sjón. Fasziniert Widad Nabi vor allem durch eine geschickte Verflechtung von Alltagsbeobachtungen mit weltpolitischen Betrachtungen, beeindruckt Sjón besonders durch eine ungewöhnliche poetische Sprache.

Leider war die den einzelnen Vortragenden zur Verfügung stehende Zeit äußerst knapp bemessen. Sehr viel mehr konnte man von Sjón eine knappe Woche vorher auf einer Lesung zusammen mit dem Norweger Øyvind Rimbereid im Felleshus der Nordischen Botschaften hören. Das Naheliegendste, einfach in den nächsten Buchladen zu gehen, bringt dagegen wenig.

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In Deutschland zu unrecht kaum bekannt: der chilenische Lyriker Gonzalo Rojas

Gonzalo Rojas gilt zwar als einer der bedeutendsten lateinamerikanischen Lyriker der Gegenwart, in Deutschland allerdings ist sein Namen bislang nahezu unbekannt. Dazu hat auch beigetragen, dass seine wenigen bisher ins Deutsche übersetzten Bücher bereits seit Jahren nur noch antiquarisch erhältlich sind. Doch mit der Anthologie »Atemübung« könnte sich das jetzt ändern.

Auf 240 Seiten versammelt der in der Edition Schwarzdruck erschienene Band, wie es im Untertitel heißt, »Gedichte aus sieben Jahrzehnten«. Die meisten sind für diesen Band erstmals übersetzt worden.

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Klein, aber fein: Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«

Gerade einmal 64 Seiten zählt Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«. Marohn war vor allem Historiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Czichon veröffentlichten Sachbücher über die »DDR im Perestroika-Ausverkauf« und über den 1944 von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann. Seine Gedichte erschienen erst postum 2017, zwei Jahre nach seinem Tod.

Viele Gedichte sind politisch. Es geht um den Nahen Osten, um den Frieden, der »kein Geschenk, weder des Himmels noch von Menschen« ist, sondern aus »aktivem Handeln« kommt, um die »Abermillionen Toten und Geschädigten aller Kriege«, um das Einmischen gegen Unrecht. Noch häufiger allerdings schreibt Marohn über die Liebe, eine Liebe »Hoffend auf Wiederkehr«, zwischen »Erwartungen« und »Enttäuschung«, so wie in seinem Gedicht »Mein Traum«:

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Volker Braun mit seiner »Handbibliothek der Unbehausten« auf dem ersten Abend der progressiven Literatur in Berlin

Eigentlich sollte es nur eine kurze Vorstellung von Volker Brauns neuem Gedichtband »Handbibliothek der Unbehausten werden, aus dem er am 30. September 2016 auf dem »I. Abend der progressiven Literatur« in der Junge-Welt-Ladengalerie in Berlin vorlas. Doch über ihn und seine Gedichte in wenigen Sätzen etwas schreiben … Natürlich, möglich ist alles.

Herausgekommen ist jedoch eine ausführliche Betrachtung – zu lang für diesen Blog, für den er angekündigt war. Deshalb sei hier auf den Blogbeitrag Volker Brauns Gedichtband »Handbibliothek der Unbehausten« hält die Sehnsucht lebendig auf den Buchentdeckungen verwiesen.

Volker Braun in der Junge-Welt-Ladengalerie

Volker Braun beim »I. Abend der progressiven Literatur« in der Junge-Welt-Ladengalerie
Foto: Frank Kopperschläger | kopperphoto

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Jan Wagners Gedichte überraschen mit ungewöhnlichen Reimen und Bildern

Eigentlich wollte ich mir schon seit Längerem einmal das ORi im Berliner Stadtteil Neukölln ansehen. Und seit Längerem – oder genauer gesagt, seitdem er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat – wollte ich auch schon den Lyriker Jan Wagner erleben. Da passte es gleich doppelt, dass das ORi für den 31. März 2016 zu einer Lesung mit Wagner eingeladen hatte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es war ein wunderbarer, eindrucksvoller Abend. Im Mittelpunkt der Lesung stand Wagners neuester, 2015 wiederum bei Hanser erschienener Gedichtband »Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001–2015«.

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