Schlagwort-Archive: Literaturnobelpreis

Literaturnobelpreis an Swetlana Alexijewitsch für »guten Journalismus« und Annäherung an den Westen

Kaum hatte die Schwedische Akademie die Verleihung des Literaturnobelpreises 2015 an Swetlana Alexijewitsch bekanntgegeben, schon gratulierte ihr der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko. Voll des Lobes zeigte sich ebenfalls das belorussische Außenministerium, das ihre Auszeichnung als einen »Meilenstein der Herausbildung der belorussischen Nation und ihres souveränen Staates« feierte.

Dass Alexijewitsch nie ein Parteigänger von Lukaschenko war, sondern sich noch zu Sowjetzeiten der westlich orientierten Opposition anschloss, scheint für das gegenwärtige Regime kein Problem zu sein. Umgekehrt hat es ihr aber ganz offensichtlich auch nicht bei der belorussischen Opposition und im antirussischen Westen geschadet, dass sie in Russisch schreibt, weil sie die belorussische Sprache für »bäurisch und literarisch unreif« hält, wie sie gegenüber der FAZ geäußert haben soll.

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert

Peter Handkes Plädoyer gegen den Literaturnobelpreis und die Handke-Kritiker

Wenn Peter Handke erklärt, dass der Literaturnobelpreis mit seiner »falschen Kanonisierung« der Literatur nicht viel Gutes bringe und man ihn deshalb »endlich abschaffen« sollte, kann das nur daran liegen, dass Handke auch in diesem Jahr wieder leer ausgegangen ist. So klingt es jedenfalls und nicht ganz unüberraschend aus verschiedenen Kommentaren heraus.

Dass Handke sich gleichzeitig voll des Lobes über den diesjährigen Preisträger Patrick Modiano äußerte, der für ihn »ein wirklich beachtlicher Autor mit einem einmaligen Werk« ist, konnte das auch nicht mehr verhindern. Den Vorwurf, der Literaturnobelpreis bringe dem Ausgezeichneten zwar einen Moment der Aufmerksamkeit, verleihe dem Lesen aber ansonsten keine neuen Impulse, hielten sie gar nicht erst für diskutierenswert.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert

Als Antifaschist soll der Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda kein Vorbild sein

Dass eine Schule nach einem Schriftsteller benannt ist, der durch sein antifaschistisches Engagement aufgefallen ist und sich dann auch noch gegen das von der Bundesregierung hofierte Pinochet-Regimes in Chile engagiert hat, ist natürlich ein Unding – meinen jedenfalls Lehrer und Eltern in Chemnitz. Auch wenn Pablo Neruda 1971 den Literatur-Nobelpreis verliehen bekommen hat, ein Vorbild für die Schülerinnen und Schüler der Pablo-Neruda-Grundschule in Chemnitz darf er nach Meinung der Schulkonferenz trotzdem nicht sein. Statt in die Pablo-Neruda-Grundschule sollen sie zukünftig in die Grundschule Kaßberg gehen.

Veröffentlicht unter Autoren, Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Literaturnobelpreis geht erstmals nach Jahrzehnten wieder an einen Lyriker

Lyrik hat es schwer. Obwohl es nur wenige Menschen geben dürfte, die noch nie versucht haben, selbst ein Gedichte zu verfassen, fristet Lyrik allgemein ein Schattendasein. Meistens beschränkt sich die Begegnung mit Gedichten auf die Pflichtlektüre im Deutschunterricht. Entsprechend gelten Lyrikbände bei Buchhändlern und Verlegern als nahezu unverkäuflich.

Alleine schon aus diesem Grund ist die Verleihung des Literaturnobelpreises an den Lyriker Tomas Tranströmer erfreulich. Genau 25 Jahre sind damit seit der letzten Verleihung des Literaturnobelpreises an die Lyrik vergangen. Damals erhielt ihn die Lyrikerin Wisława Szymborska.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert

In »Die Stadt der Blinden« schilderte José Saramago die Entfremdung zwischen den Menschen

José Saramago ist tot. Einer der bedeutendsten portugiesischen Schriftsteller starb am heutigen 18. Juni 87-jährig auf der spanischen Kanaren-Insel Lanzarote. Auf sie war er 1992 emigriert, nachdem die portugiesische Regierung ihn von der Kandidatenliste für den Europäischen Literaturpreis gestrichen hatte. Sechs Jahre später wurde sein von der Regierung für unwürdig befundenes Schaffen mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

Von seinen zahlreichen Werken kenne ich nur wenige, genauer gesagt sogar nur eines: »Die Stadt der Blinden«, erschienen 1995. Gerade wollte ich noch einmal in den Roman hineinlesen. Doch er steht nicht mehr im Bücherschrank. Aber vielleicht stand er auch niemals dort, sondern ich hatte ihn mir nur geliehen.

Veröffentlicht unter Autoren, Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert