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Mit Werner Klemke wurde in Berlin endlich einer der international bedeutendsten Buchillustratoren geehrt

»Er war einer der berühmtesten Buchillustratoren der DDR von internationaler Bedeutung«, heißt es in leicht verschwurbelter Sprache auf der Gedenktafel am Haus Tassostraße 21 in Berlin-Weißensee. Die Ehre gilt Werner Klemke, der hier von 1954 bis zu seinem Tode 1994 gelebt hat. Am 12. März 2017 wäre er einhundert geworden.

Das erste Mal kam ich mit seinen Zeichnungen in Berührung, als mir meine Eltern Benno Pludras wunderbares Kinderbuch »Bootsmann auf der Scholle« schenkten. Natürlich wusste ich damals nicht, dass der Einband und die Illustrationen im Buchblock von Klemke stammten, doch hinterließen sie einen bleibenden Eindruck. Bis heute steht dieses Büchlein in meinem Bücherschrank. Leider irgendwann verloren gegangen ist dagegen Fred Rodrians Kinderbuch »Hirsch Heinrich« mit den nicht weniger eindrucksvollen Illustrationen Klemkes.

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Mit Hermann Kant nach der neuen Gesellschaft gefragt

Es muss im Herbst 1969 gewesen sein, als ich mir für die Deutsch-Abiturprüfung ein Thema suchen musste, in dem ich schwerpunktmäßig mündlich geprüft werden wollte. Meine Suche dauerte nicht lange, dann hatte ich mein Thema gefunden: »Der 13. August in der deutschen Literatur am Beispiel von Hermann Kants ›Die Aula‹ und Christa Wolfs ›Der geteilte Himmel‹«.

So gerne und viel auch an unserer Schule von der Freiheit im Westen und der Unfreiheit im Osten gesprochen wurde, meinem Lehrer schwante sofort, dass dieses Thema bei der Westberliner Schulbürokratie nicht durchgehen würde. Da müsse schon ein Gegenpol her, zum Beispiel Uwe Johnsons »Mutmaßungen über Jakob«, schlug er vor. Und so hieß mein Prüfungsthema nun: »Der 13. August in der deutschen Literatur am Beispiel von Hermann Kants ›Die Aula‹, Christa Wolfs ›Der geteilte Himmel‹ und Uwe Johnsons ›Mutmaßungen über Jakob‹«.

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Wortwitz, hintergründiger Humor und Ironie bestimmten das literarische Schaffen von Benito Wogatzki

Ich bin selbst überrascht. Gleich drei Bücher von Benito Wogatzki stehen in meinem Bücherschrank: »Romanze mit Amélie«, »Ein goldener Schweif am Horizont von Thumbach« und »Flieh mit dem Löwen«.

»Romanze mit Amélie« ist mir heute noch so lebendig wie damals, als ich es Ende der 1970er Jahre gelesen habe. Dass mir dieser Roman derart in der Erinnerung geblieben ist, liegt gleichermaßen am Thema wie am Schreibstil von Wogatzki.

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Christian Adam über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945

Seitdem 2010 seine Untersuchung »Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich« erschienen ist, gilt der Literaturwissenschaftler Christian Adam als Fachmann für eine neue, ungewohnte Betrachtungsweise des nationalsozialistischen Literaturbetriebes. Auf einer Diskussionsveranstaltung am 22. März 2016 im Literaturforum im Brecht-Haus stellte er nun seine neueste Untersuchung vor: »Der Traum vom Jahre Null. Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945«.

Für Adam bestehen keine Zweifel, dass »wir« 1945 nicht bei null begonnen haben. Das konnte alleine schon deshalb nicht der Fall sein, weil die Menschen die gleichen geblieben waren. So wenig wie sich ihr Weltbild alleine durch die Befreiung – oder, wie wohl eine Mehrheit formulierte, die Niederlage – änderte, änderten sich auch ihre Lesegewohnheiten.

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Gabriele Senfts Portraits von DDR-Schriftstellern im Dialog mit dem Betrachter

Namen wie wie Ingeborg Arlt, Horst Bastian, Joachim Nowotny, Eberhard Panitz, Rosemarie Schuder, Hedda Zinner, Gerhard Branstner, Harald Hauser, Martin Stade oder E. R. Greulich dürften im Westen Deutschlands den wenigsten geläufig sein, andere wie Volker Braun, Franz Fühmann, Günter de Bruyn, Hermann Kant, Irmtraud Morgner, Heiner Müller, Erik Neutsch, Herbert Otto, Eva und Erwin Strittmatter, Christa Wolf, Jurek Becker, Christoph Hein oder Stefan Heym haben dagegen über die Grenze der DDR hinaus ihre Leser gefunden.

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