Schlagwort-Archive: DDR

Der Schriftsteller und Wanderer zwischen West und Ost Joachim Seyppel ist tot

Wäre Joachim Seyppel nicht 1973 in die DDR übergesiedelt und daraufhin von Teilen der bundesdeutschen Medien mit einem Kübel an Schmähartikeln überschüttet worden, wer weiß, wann mir dieser Name jemals begegnet wäre. Aber so war mein Interesse geweckt. Während Andere aus der DDR zu entkommen suchten, ging er genau den entgegengesetzten Weg.

Vor allem zwei Bücher, die ich damals las, sind mir in Erinnerung geblieben: »Columbus Bluejeans oder Das Reich der falschen Bilder« und »Als der Führer den Krieg gewann oder Wir sagen ja zur Bundesrepublik«.

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Die Regisseurin und Autorin Annelie Thorndike ist tot

Das erste Mal begegnete mir der Name Annelie Thorndike in den sechziger Jahren als Drehbuchautorin und Regisseurin des zweiteiligen Dokumentarfilms »Das russische Wunder«, der die Geschichte Russlands vom Kaiserreich bis zur Sowjetunion erzählte. Oder genauer gesagt: ihr Name begegnete mir gemeinsam mit dem ihres Ehemannes Andrew Thorndike, der wie sie und weitere Filmschaffende als Regisseur und Drehbuchautor beteiligt war.

Auch wenn »Das russische Wunder« von Pathos strotzte, überzeugte der Film nicht nur mich, sondern mehr als 150 Millionen Menschen in aller Welt. An diese Eindrücke konnte der von Annelie und Andrew Thorndike verfasste Dokumentarband »Das russische Wunder« mit Bildern, Geschichten und Dokumenten zur Geschichte Russlands und der Sowjetunion nur eingeschränkt heranreichen, auch wenn er in der DDR in mehreren Auflagen erschien und wie schon der Film in verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Beide waren vor allem Filmemacher, weniger Autoren.

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Siegfried-Unseld-Vorlesungen starteten mit Uwe Tellkamps Vortrag über »Botenstoffe«

Eines muss man Uwe Tellkamp lassen: Er kann gleichermaßen gut reden wie schreiben. Dass es ihm zukam, die erste Siegfried-Unseld-Vorlesung an der Freien Universität Berlin zu halten, war alleine schon deshalb eine gute Wahl. Inhaltlich diskussionswürdig, stand er insgesamt zweifellos auf hohem Niveau.

Überschrieben hatte er seinen Vortrag mit »Botenstoffe«, eine bewusste Anspielung auf jene chemischen Substanzen, die für die Signal- und Informationsübertragung im und zwischen den Menschen zuständig sind. Seine und überhaupt der Literatur Botenstoffe, so Tellkamp, seien die Mythen. Hinter ihnen verberge sich der Versuch des Menschen, sich selbst und die Welt zu verstehen. Mythen seien unverzichtbare Werkzeuge in jener künstlichen Welt, die ein Roman immer nur sein könne.

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Ohne Verbote kann es keine gute Literatur geben – suggeriert ein Literaturkritiker

Die Romane »Jakob der Lügner« und »Irreführung der Behörden« von Jurek Becker: taugen nichts. Der Roman »Levins Mühle« und der Gedichtband »Samatische Zeit« von Johannes Bobrowski: taugen nichts. »Turandot oder Der Kongreß der Weißwäscher« und die »Buckower Elegien« von Bertolt Brecht: taugen nichts. »Buridans Esel« von Günter de Bruyn: taugt nichts. Die Gedichte von Elke Erb und Adolf Endler: taugen nichts. Die Novelle »Böhmen am Meer« von Franz Fühmann: taugt nichts. Die Gedichte und Erzählungen von Stephan Hermlin: taugen nichts. Die Gedichte von Eva Strittmatter: taugen nichts. Der Roman »Die Aula« von Hermann Kant: taugt nichts. »Nachdenken über Christa T.« und »Kindheitsmuster« von Christa Wolf: taugen nichts. »Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura« von Irmtraud Morgner: taugt nichts.

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Jupp Mallmann hat aufgeschrieben: die totgeschwiegenen Seiten bundesdeutscher Geschichte

»Jupp Mallmann hat aufgeschrieben«, heißt ein dünnes Bändchen, das im Frühjahr dieses Jahres im Verlag Wiljo Heinen veröffentlicht wurde. Gerade einmal 110 Seiten zählt es, doch diese bieten einen tiefen Einblick in die bundesdeutsche Geschichte: in eine Geschichte, die Politiker und Historiker bis heute am liebsten totschweigen.

Jupp Mallmann wurde 1925 in einer streng katholischen Familie geboren. Er besuchte die katholische Volksschule, wurde Mitglied der katholischen Jungschar. Als er die Schule verlässt, hat der zweite Weltkrieg längst begonnen. Am 3. Juli 1943 wird er eingezogen, am 20. Oktober kommt er an die Ostfront und am 26. Oktober ist der Krieg für ihn bereits zu Ende. In sowjetischer Gefangenschaft beginnt Jupp Mallmann nachzudenken.

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