Schlagwort-Archive: Buchhandel

Aus dem Leseland Bulgarien ist seit dem Ende des Sozialismus ein Nichtleseland geworden

Nur in wenigen Ländern erfreuen sich Bücher einer noch geringeren Beliebtheit als in Bulgarien. Pro Einwohner sind im vergangenen Jahr nicht einmal mehr zwei Bücher verkauft worden, berichteten dieser Tage die Medien des Landes. Damit wurden so wenig Bücher verkauft wie seit sechzig Jahren nicht mehr. Zu den besten Zeiten waren es über zehn Bücher.

Begonnen hat der Niedergang der Lesekultur mit dem Ende des Sozialismus. Während Politiker und Autoren über die neu gewonnene Freiheit jubelten und vor allem Buchtitel aus dem englischsprachigen Raum den Buchmarkt überfluteten, hatten die meisten Bulgaren plötzlich ganz andere Sorgen.

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Egal ob gedruckte Bücher oder Ebooks: sie wollen vor allem gelesen werden

Auch wenn Michail Gorbatschow der legendäre Satz »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben« nur in den Mund gelegt wurde, an seiner Richtigkeit lässt sich nur schwer zweifeln. Einst auf die große Politik gemünzt, gilt er doch viel umfassender. Das müssen derzeit auch Teile der Buchbranche erkennen.

Verlage und Buchhandel stehen vor tiefgreifenden Umwälzungen. Wohin der Weg geht, lässt sich bislang nur ahnen. Dass die zunehmende Digitalisierung nicht ohne Folgen bleiben wird, ist jedoch nicht mehr zu übersehen. Die Umverteilungskämpfe haben längst begonnen. Wo bis vor kurzem noch ein Heer von Lektoren, Korrektoren, Buchgestaltern, Grafikdesignern, Druckern, Buchbindern, Vertrieblern, Lageristen und Auslieferungsfahrern die Bücher unter das Volk brachten, werden heute immer häufiger nur noch wenige IT-Fachleute, Designer, Lektoren und Korrektoren gebraucht.

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Mit dem Finger auf Amazon zeigend von der eigenen Verantwortung ablenken

»Mit aller Macht«, beklagt die ZEIT, wolle sich »der Online-Händler Amazon als Verlag positionieren – auch in Deutschland, und auch mit gedruckten Büchern.« Vor allem die Kleinstverlage bekämen dadurch immer mehr Probleme und würden zunehmend aus dem Markt verdrängt.

Was für die ZEIT die »Methode Amazon« ist, ist tatsächlich allerdings nichts anderes als der tägliche Kapitalismus, in dem die Großen die Kleinen fressen. Natürlich kann die ZEIT das nicht so offen schreiben, müsste sie dann doch auch über sich selbst bzw. die sie herausgebende Holtzbrinck-Gruppe schreiben. Zu ihren Beteiligungen gehören so einflussreiche Verlage wie S. Fischer, Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch, Droemer-Knaur und J. B. Metzler, der Online-Buchhänder buecher.de sowie die Bücher- und Rezensionsplattform LovelyBooks.

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Hohe Rabatte für Kunden durch niedrige Honorare für Autoren

Irgendjemand lügt hier ganz dreist. In der Schweiz tobt ein Wahlkampf, denn im März sollen die Schweizer Bürger über die Wiedereinführung der vor vier Jahren abgeschafften Buchpreisbindung abstimmen. Während der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) dafür ist, lehnt der Buchhandelsriese Ex Libris ihn rigoros ab.

Derzeit bietet Ex Libris alle Bücher noch mit einem Rabatt von 20 Prozent an, zum Ärgernis vieler kleiner Buchläden, aber auch Verlage, die in diesem Preiskampf nicht mithalten können. Bei einer Wiedereinführung der Buchpreisbindung wäre mit dieser Praxis Schluss.

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Deutscher Buchpreis – Auszeichnung von Literatur oder Verkaufserwartungen?

Die von einigen Buchhändlern gegenüber dem Buchreport geäußerte massive Kritik an der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2011 hatte mich doch neugierig gemacht. Verstauben »Gegen die Welt«, »Wunsiedel«, »Das Mädchen«, »Blumenberg«, »In Zeiten des abnehmenden Lichts« und »Die Schmerzmacherin« tatsächlich ungelesen in den Buchhandlungen?

Nachdem ich mich in einem Dutzend Buchhandlungen umgesehen habe, kann ich definitiv sagen: Nein. Sie können auch gar nicht verstauben, denn lediglich »In Zeiten des abnehmenden Lichts« von Eugen Ruge lag in nahezu allen Buchhandlungen aus. In einigen gesellten sich noch »Gegen die Welt« von Jan Brandt und »Wunsiedel« von Michael Buselmeier dazu, doch das war es dann auch schon.

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