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Historiker Karsten Heinz Schönbach belegt detailreich aktive Unterstützung der deutschen Konzerne für die NSDAP

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen.

Schönbach setzt sich in dem auf seine Dissertation zurückgehenden Werk dezidiert mit der von der bürgerlichen Geschichtsforschung verbreiteten Behauptung auseinander, bestenfalls Teile der deutschen Wirtschaft hätten Hitler und die NSDAP unterstützt, die Mehrheit sei vielmehr selbst ein Opfer der Faschisten geworden.

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Victor Grossman über seinen abenteuerlichen Weg vom Broadway an die Karl-Marx-Allee in Ostberlin

Dass Menschen aus dem Osten in den Westen geflohen sind, darüber haben die Medien millionenfach berichtet und sind Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Bücher erschienen, dass es Menschen gab, die den entgegengesetzten Weg gingen, wird dagegen bis heute meistens geschwiegen. Einer, der aus den USA in die DDR flüchtete, ist Victor Grossman.

Freiwillig hat er sich allerdings nicht »Vom Broadway zur Karl-Marx-Allee« aufgemacht, wie seine Lebenserinnerung »Crossing the River« im Untertitel heißt. Victor Grossman, der damals noch Stephen Wechsler hieß, war als Sohn jüdischer Eltern, deren Vorfahren aus Angst vor antijüdischen Pogromen aus Russland in die USA geflohen waren, früh mit Kommunisten und deren Ideen in Berührung gekommen. Schon als Schüler wurde er Mitglied der Young Communist League und als Student trat er schließlich auch der Communist Party USA bei.

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Locker-flockig erzählt Alfred Stadlmann über eine ganz spezielle Abrechnung

Das muss man Alfred Stadlmann lassen: Er kann schreiben. Locker-flockig erzählt er aus dem Leben von Richard Seller, der als Verkäufer bei der Firma Melloplast arbeitet, bis ihn ein Herzinfarkt aufs Krankenlager zwingt. Für seinen Chef Kurt Fallberger gehört er damit ausrangiert. Seller wird entlassen.

Doch dann kommt die Stunde der Rache. Seller hat seine einstigen Kollegen und Stammtischfreunde zu einer »Stammtischsondersitzung« eingeladen. Je später die Stunde wird, desto ungezwungener lassen die Stammtischfreunde die gemeinsame Vergangenheit auferstehen. Mit einem Schuss Erotik heizt Alfred Stadlmann die Stimmung in der Kneipe zusätzlich an. Als Kurt Fallberger das Lokal betritt, scheint die Stunde der Abrechnung gekommen. Fallberger muss wie ein begossener Pudel abziehen.

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Lesenswert: Matthias Gerschwitz’ Biographie über eine der ältesten Berliner Kneipen

Die Gaststätte »Wilhelm Hoeck« in Charlottenburg ist eine Legende. Selbst in einige Berlin-Reiseführer hat es eine der ältesten erhaltenen Berliner Kneipen geschafft. Nur für ein eigenes Buch hat es erstaunlicherweise lange Zeit nicht gereicht. Mit »Molle und Medaille. Wilhelm Hoeck 1892: Eine Alt-Berliner Kneipe zwischen Zille und Olympia« hat der Wahlberliner Matthias Gerschwitz es nun vorgelegt.

Locker und humorvoll, zugleich aber auch fundiert und detailreich erzählt er die Geschichte dieser Alt-Berliner Kneipe von 1892 bis heute. Natürlich geht es dabei ganz viel um Bier, Schnaps und Likör, aber ebenso um Familienfehden und Erbstreitigkeiten, die jeder Fernsehserie Ehre machen würden. Dazu gehört genauso auch Horst Hoeck, der 1932 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles im Vierer mit Steuermann saß und eine Goldmedaille gewann. Die Urkunde kann noch heute in der Kneipe bewundert werden.

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»Endlich mal was Positives«: ein Lebensbericht, der aufklärt und Mut macht

Positiv denken – für Matthias Gerschwitz ist das eine oder sogar die zentrale Prämisse seines Lebens. Gegen das Schicksal, auch höhere Gewalt genannt, seien wir Menschen zwar machtlos, aber was wir aus unserem Schicksal machten, das liege in der Hand eines jeden einzelnen.

Als Matthias Gerschwitz 1994 erfährt, dass er HIV-positiv ist, bildet er keine Ausnahme: Eine Welt bricht zusammen. »Hemmungslos heulte ich in meine vor dem Kopf verschränkten Arme«, bekennt er ganz offen. Ein Jahr brauchte er, bis er seine Erkrankung als unveränderliche Tatsache akzeptiert hatte.

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