Archiv der Kategorie: Sprache

Kritik am Grimme-Preis für #GastOderSpast

Tabus zu brechen, ist modern geworden. Natürlich nur bestimmte Tabus. Dass beispielsweise die Menschenjagd mittels Drohnen staatlich sanktionierter Mord ist, gehört selbstverständlich nicht dazu. Werden aber zum Beispiel Menschen in den Massenmedien als »Spast« beschimpft, wird das flugs für »vorbildlich und modellhaft« erklärt. Eine Jury-Mehrheit des Grimme-Preises fand jedenfalls nichts daran, den Kabarettisten und Moderator Oliver Polak mit genau diesem Preis auszuzeichnen.

Lange wurde seine Late-Night-Talk »Applaus und Raus!«, für die er die Auszeichnung erhielt, in den Social Media mit dem Hashtag #GastOderSpast beworben. Um zu wissen, dass »Spast« oder, wie es häufiger heißt, »Spasti« stark abwertend gemeint ist, muss man nicht erst den Duden befragen. Mindestens zwei Jury-Mitglieder sprachen sich deshalb gegen die Verleihung des Grimme-Preises an Polak aus.

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Der Kampf der Medien mit dem Konjunktiv

»Deutsche Sprache, schwere Sprache« ist von Ausländern, die sich mit dem Erlernen unserer Sprache plagen, immer wieder zu hören. Doch nicht nur sie, sondern auch viele Deutsche und selbst jene, die täglich mit der Sprache zu tun haben wie Journalisten und Autoren tun sich mit ihr häufig schwer. Jüngstes Beispiel, gehört und gelesen in den Mittagsnachrichten von Radio Berlin-Brandenburg (RBB) am 9. März 2017: »Bundeskanzlerin Merkel sagte, die Wiederwahl Tusks sei ein Zeichen der Stabilität in der EU.«

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Für sprachliche Schön- und Feinheiten ist in der »Leichten Sprache« kein Platz

So wie blinde Menschen ein Recht auf darauf hätten, dass ihnen Texte und überhaupt schriftliche Informationen akustisch oder in Blindenschrift zugänglich gemacht werden, oder gehörlose Menschen, dass ihnen Gebärdendolmetscher die Kommunikation mit hörenden Menschen ermögliche, fordert das Netzwerk Leichte Sprache seit Langem, müsse auch lernbehinderten Menschen die sprachliche Teilhabe an der Gesellschaft erleichtert werden.

Vor allem für diesen Personenkreis wurde deshalb die sogenannte »Leichte Sprache« entwickelt. Darüber hinaus könnten auch andere Bevölkerungsgruppen von der Leichten Sprache profitieren – behaupten jedenfalls viele ihrer Befürworter. Politische Nachrichten, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Steuerfragebögen und vieles mehr würde für die Allgemeinheit verständlicher, führen sie als Argument an.

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Ein Paukenschlag: Das große ß wird offiziell

Das kommt einem Paukenschlag gleich: Das große ß soll schon bald auch ganz offiziell verwendet werden dürfen. In seinem am 8. Dezember 2016 veröffentlichten 3. Bericht schlägt der Rat für deutsche Rechtschreibung der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der BRD vor, das Versal-ß offiziell als Ergänzung zum kleinen ß einzuführen.

In durchgängig großgeschriebenen Wörtern muss ein Eszett bislang noch durch ein großes Doppel-S ersetzt werden. „Diese Regelung“, räumt der Rat für Rechtschreibung jetzt ein, habe sich jedoch „an zwei Stellen als nicht mit dem Schreibgebrauch im Einklang befindlich herausgestellt: im Gebrauch der Behörden und in Bereichen, in denen Schreibung mit Großbuchstaben weit verbreitet ist, wie insbesondere in der Werbung.“

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Über »weibliche Bandleaderinnen« und gedankenloses Gendern

Was sind »weibliche Bandleaderinnen«? Ich kann mir eine Bandleaderin oder einen Bandleader vorstellen, notfalls auch einen weiblichen oder männlichen Bandleader, wenn auf das generische Maskulinum zurückgegriffen wird. Aber eine »weibliche Bandleaderin«?

In einer Rückschau auf das Jazzfest Berlin 2016 gelang dies jedoch dem RBB (Radio Berlin-Brandenburg), als Interviewerin und Interviewter ständig von »weiblichen Bandleaderinnen« sprachen. Der Anlass allerdings war erfreulich: Noch nie haben am Jazzfest Berlin so viele Bandleaderinnen wie in diesem Jahr teilgenommen. Bloß: Muss deshalb die Sprache auf der Strecke bleiben?

Zu Recht wird häufig die gedankenlose Verwendung des generischen Maskulinums kritisiert. Gedankenloses Gendern ist jedoch nicht besser.

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