Archiv der Kategorie: Literatur

Auf den ersten Satz kommt es an – oder doch nicht?

Richtig zu zitieren will gelernt sein. Welche angehende Autorin, welcher angehende Autor kennt nicht die Empfehlung, dem ersten Satz seines Romans oder seiner Erzählung ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken? Vom ersten Satz hänge es entscheidend ab, ob sich die Leserinnen und Leser in ein Buch hineinziehen ließen oder ob sie es gleich wieder beiseitelegten.

Als Zeuge für diese Aussage muss dann gerne Theodor Fontane herhalten, der in einem Brief an Mathilde von Rohr über seine Erzählung »Schach von Wuthenow« schrieb: »Der Anfang ist immer das entscheidende; hat mans darin gut getroffen, so muß der Rest mit einer Art von innerer Nothwendigkeit gelingen, wie ein richtig behandeltes Tannenreis von selbst zu einer graden und untadeligen Tanne aufwächst.«

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Utopien als Überlebenskategorien gegen drohende Katastrophen

»Sie streben nicht nach Utopien, sondern konzentrieren sich auf das Realisierbare. Sie haben keinen Entwurf von der Welt, wie sie sein sollte, sondern nehmen diese so hin, wie sie ist,« beschreibt die Soziologin Cornelia Koppetsch in ihrem Essay »Die Wiederkehr der Konformität« die Welt der jungen Berufseinsteiger. Tatsächlich scheint diese Behauptung nicht aus der Luft gegriffen zu sein.

Brauchen wir Utopien? Für Viele scheint die Antwort eindeutig zu sein: Ja, aber nur als utopische Romane. Auf Utopien als Gesellschaftsentwürfe können wir verzichten. Selbst bei den wenigen und zudem ausschließlich älteren Besuchern der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung »Über den Begriff der Utopie« am 13. November 2014 im MEZ Berlin war deren Notwendigkeit höchst umstritten.

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Das Wort: eine der spannendsten deutschen Literaturzeitschriften

Eigentlich wollte ich nur die drei Essays nachlesen, die 1938 in der literarischen Monatsschrift Das Wort zur Sprache im NS-Staat erschienen sind, doch dann entpuppte sich der 1968 in der DDR veröffentlichte fotomechanische Nachdruck als wahre Fundgrube, die mich zunehmend in ihren Bann zog.

Vor allem hat mich begeistert, wie unter den schwierigen Bedingungen des Exils vom Juli 1936 bis März 1939 allmonatlich in Moskau eine deutschsprachige Literaturzeitschrift erscheinen konnte, die gefüllt war mit zeitgenössischer Prosa und Lyrik, mit Essays zu aktuellen literatur- und sprachwissenschaftlichen Themen, mit Buchkritiken, mit Kurzberichten zum literarischen Geschehen sowie einer Übersicht über die aktuelle antifaschistische Publizistik.

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Ist die Forderung nach mehr politisch präziser Literatur tatsächlich überflüssig?

Wenn es gerade das Feuilleton der großbürgerlichen FAZ ist, das sich seit Längerem wundert, wie wenig sich in der derzeitigen bundesdeutschen Belletristik aktuelle welt- und innenpolitische Fragen widerspiegeln, darf dies sicherlich hinterfragt werden. Vorschnelle Antworten wie auch jüngst wieder in der Jungen Welt sollten aber trotzdem vermieden werden.

Als Nils Minkmar in der FAZ Ende September 2014 fragte: »Wo sind die etablierten, preisgekrönten deutschen Autorinnen und Autoren, die die offenen Fragen der jüngsten westdeutschen Vergangenheit so komprimiert formulieren könnten? Die sich überhaupt für Zeitgeschichte interessieren und den Stoff kunstgerecht aufbereiten könnten?«, verkündete Thomas Wagner in der Jungen Welt postwendend: »Die von Ihnen sehnlichst herbeigewünschte politisch präzise Literatur gibt es schon.«

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Ein Gedicht ist ein Gedicht ist ein Gedicht – oder auch nicht

Wann ist ein Gedicht ein Gedicht? Fast jeder Literaturinteressierte dürfte sich diese Frage bereits einmal gestellt haben. Auch wenn die Meisten in der Schule mit Gedichtinterpretationen gequält worden sein dürften und Viele auch das eine oder andere Gedicht auswendig lernen mussten, für die Beantwortung dieser Frage hilft das alles nur sehr wenig.

Kerstin Hensels neuestes Buch – »Das verspielte Papier: Über starke, schwache und vollkommen misslungene Gedichte« – war für die Literaturwerkstatt Berlin der Anlass, zu einer Podiumsdiskussion mit ihr und Monika Rinck einzuladen, in der es genau um diese Frage ging. Seit mehr als 25 Jahren geht die Autorin Kerstin Hensel in Schulen und unterrichtet an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin über den Umgang mit Gedichten. Als Ergebnis ihrer Erfahrungen ist »Das verspielte Papier« herausgekommen.

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