Archiv der Kategorie: Literatur

Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehört Leonhard Kossuths Herz der multiethnischen sowjetischen Literatur

Leonhard Kossuth hat nicht nur über Jahrzehnte als Cheflektor im Verlag Kultur und Fortschritt sowie leitender Lektor für Sowjetliteratur im Verlag Volk und Welt, sondern ebenso als Literaturkritiker für den DDR-Rundfunk und die Berliner Zeitung ganz entscheidend zur Popularisierung sowjetischer Schriftsteller in der DDR beigetragen. Heute sind es Zeitungen wie Neues Deutschland, Ossietzky und Blättchen, in denen er nunmehr für die multiethnische Literatur der ehemaligen Sowjetunion wirbt.

Eine kleine Auswahl seiner zwischen 1973 und 2015 erschienenen Rezensionen hat er Ende März 2016 im Max-Lingner-Haus in Berlin vorgestellt. 120 seiner Rezensionen liegen seit 2015 zudem in einem Sammelband vor, den der Nora-Verlag unter dem etwas unglücklichen Titel »Aber der Wagen, der rollt« veröffentlicht hat.

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Christian Adam über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945

Seitdem 2010 seine Untersuchung »Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich« erschienen ist, gilt der Literaturwissenschaftler Christian Adam als Fachmann für eine neue, ungewohnte Betrachtungsweise des nationalsozialistischen Literaturbetriebes. Auf einer Diskussionsveranstaltung am 22. März 2016 im Literaturforum im Brecht-Haus stellte er nun seine neueste Untersuchung vor: »Der Traum vom Jahre Null. Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945«.

Für Adam bestehen keine Zweifel, dass »wir« 1945 nicht bei null begonnen haben. Das konnte alleine schon deshalb nicht der Fall sein, weil die Menschen die gleichen geblieben waren. So wenig wie sich ihr Weltbild alleine durch die Befreiung – oder, wie wohl eine Mehrheit formulierte, die Niederlage – änderte, änderten sich auch ihre Lesegewohnheiten.

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Mit der Lesung von »Das steinerne Herz« endete in Berlin eine sehr sehenswerte Ausstellung über Arno Schmidt

Es war eine gigantische Lesung, mit der die sehr informative Ausstellung »Arno Schmidt – Eine Ausstellung in 100 Stationen« am 9. Januar 2015 in der Berliner Akademie der Künste abgeschlossen wurde. Acht Stunden dauerte es, bis Jan Philipp Reemtsma gegen 23 Uhr Schmidts Roman »Das steinerne Herz« zuklappen konnte.

Jeweils rund 20 Minuten hatten zuvor Reemtsma, Kerstin Hensel, Friedrich Dieckmann, Friedrich Christian Delius, Jutta Brückner, Enno Poppe, Kathrin Röggla, Uwe Timm, Reinhard Jirgl, Katja Lange-Müller, Ingo Schulze sowie weitere Autorinnen und Autoren aus dem Roman vorgelesen.

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Etwas ganz Neues und Einzigartiges, noch nie Dagewesenes wollten sie erschaffen

Manchmal ärgere ich mich, fast nichts aus der Anfangszeit des Book on Demand archiviert zu haben. Immerhin kann ich mich noch gut entsinnen, wie damals angehende Autorinnen und Autoren jubelten, endlich nicht mehr von Verlagen abhängig zu sein, sondern ganz Neues und Einzigartiges, noch nie Dagewesenes veröffentlichen zu können.

Seitdem warte ich. Vielleicht suche ich nur nicht richtig, vielleicht kenne ich die falschen Menschen, bin in den verkehrten Foren und Gruppen, aber dieses Einzigartige, noch nie Dagewesene habe ich bis heute nicht entdecken können. Stattdessen finde ich die 87362. Romanze, den 103634. Thriller, die 91946. Erotik-Schmonzette. Die Leseproben offenbaren die Austauschbarkeit der Inhalte, erschrecken mit einem mittleren Erzählton, künden von der Abwesenheit jeglichen typographischen Gestaltungswillens.

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Auf den ersten Satz kommt es an – oder doch nicht?

Richtig zu zitieren will gelernt sein. Welche angehende Autorin, welcher angehende Autor kennt nicht die Empfehlung, dem ersten Satz seines Romans oder seiner Erzählung ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken? Vom ersten Satz hänge es entscheidend ab, ob sich die Leserinnen und Leser in ein Buch hineinziehen ließen oder ob sie es gleich wieder beiseitelegten.

Als Zeuge für diese Aussage muss dann gerne Theodor Fontane herhalten, der in einem Brief an Mathilde von Rohr über seine Erzählung »Schach von Wuthenow« schrieb: »Der Anfang ist immer das entscheidende; hat mans darin gut getroffen, so muß der Rest mit einer Art von innerer Nothwendigkeit gelingen, wie ein richtig behandeltes Tannenreis von selbst zu einer graden und untadeligen Tanne aufwächst.«

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