Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Die Linke wirft Autorinnen und Autoren Willkür vor

»Gegenwärtig können Autoren, Verlage oder andere Rechteinhaberinnen und Rechteinhaber willkürlich entscheiden, ob und zu welchen Bedingungen sie Bibliotheken E-Books zur Verfügung stellen«, beklagt die Partei Die Linke in einem Entwurfs eines Antrags an die Bundesregierung, durch eine Reform des Urheberrechts die Verleihbarkeit digitaler Medien in öffentlichen Bibliotheken sicherzustellen.

Dass mir als Autor von der Linken Willkür vorgeworfen wird, wenn ich selbst über die Verbreitung meiner Bücher entscheiden möchte, beweist leider, dass manche in dieser Partei zwar gerne einen Reformsozialismus oder Demokratischen Sozialismus propagieren, tatsächlich aber das Gegenteil meinen und auf diese Weise die Ideen des Sozialismus weiter diskreditieren.

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Darf Satire wirklich alles?

»Was darf die Satire? Alles«, schrieb Kurt Tucholsky 1919 scheinbar noch ganz unbefangen. Dass es der gleiche Tucholsky war, der 1931 in seinem Essay »Der bewachte Kriegsschauplatz« auch den legendären Satz »Soldaten sind Mörder« schrieb, den zu zitieren bundesdeutsche Juristen und Politiker in den 1980er und 1990er Jahren verbieten lassen wollten, war selbstverständlich vergessen, als der brutale Mordüberfall auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo einen kollektiven Aufschrei der Empörung auslöste.

Satire dürfe alles, alles, alles, verkündeten Politiker und Medienschaffende nahezu unisono, während Blogger und Webseiten-Betreiber ihre Internetauftritte mit »Je suis Charlie«-Bannern zierten. Fast immer wurde die berechtigte Verurteilung der Morde mit der Verteidigung des uneingeschränkten Rechts auf freie Rede. Selbst ein mögliches Recht auf den Schutz kultureller und religiöser Traditionen rechtfertige keine Einschränkungen.

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Berliner Zentralbibliothek will Buchangebot drastisch verkleinern und Bücher vernichten

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) plane die Vernichtung von Tausenden Bücher, werfen Kritiker entsprechender Pläne der größten öffentlichen Bibliothek der Bundeshauptstadt vor. Der Vorwurf, die ZLB wolle Bücher »vernichten«, mag zwar leicht überspitzt formuliert sein, im Kern lässt er sich jedoch kaum bestreiten.

Alle Bücher, die längere Zeit nicht mehr ausgeliehen wurden – die Rede ist von zwei Jahren –, sollen nach diesen Plänen zukünftig rigoros aussortiert werden. Wer heute noch sicher sein darf, in der ZLB neben den gängigen Titeln auch viele nur noch schwer zu beschaffende und dementsprechend teure Titel zu finden, soll in Zukunft leer ausgehen.

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Zwischen Kriegseuphorie und Friedenssehnsucht: deutsche Autorinnen und Autoren 1914 bis 1916

»Komm, wir wollen sterben gehen […] Eh’ ich nicht durchlöchert bin, kann der Feldzug nicht geraten«, jubelte Gerhart Hauptmann im Frühjahr 1915, als sein Sohn Ivo zur Front eingezogen wurde. Ein dreiviertel Jahr tobte der Krieg bereits. Ganz so ungebrochen wie in den ersten Kriegstagen und -wochen war die Begeisterung in der Bevölkerung bereits nicht mehr. Unter die Stimmen der Kriegsbegeisterten mischten sich zunehmend Stimmen von Kriegsmüden und Kriegsgegnern.

Als Kaiser Wilhelm II. am 31. Juli 1914 den Kriegszustand erklärte, sah das noch ganz anders aus. Selbst die sozialdemokratische Rechtstagsfraktion stimmte am 4. August einstimmig den Kriegskrediten zu und diffamierte in der Folgezeit alle Kriegsgegner als Vaterlandsverräter. So gab es für die übergroße Mehrheit der Schriftstellerinnen und Schriftsteller keinen Grund, nicht im Kriegstaumel mitzuschwimmen.

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Aus Angst vor der Zukunft: Zurück zu rückwärtsgewandten Gemeinschaftsbildern und religiösen Bekenntnissen

Die Angst vor dem sozialen Abstieg prägt zunehmend das Lebensgefühl nicht nur von großen Teilen der Arbeiterklasse, sondern ebenso der Mittelschicht. Je größer deren Verunsicherung werde, konstatiert die Soziologin Cornelia Koppetsch in ihrem Essay »Die Wiederkehr der Konformität«, desto stärker entwickele sich in ihr eine »Sehnsucht nach Geborgenheit«,. Verbunden sieht Koppetsch diese Entwicklung mit der Herausbildung eines Mentalitätstypus, den sie als »Wiederkehr der Konformität« beschreibt.

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