Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Vor 100 Jahren wurde mit dem Malik-Verlag der wichtigste Verlag für linksrevolutionäre Literatur gegründet

»Kaum ein Verlag in Deutschland hat so scharf profilierte und einprägsame, dabei qualitativ hochwertige Erzeugnisse herausgegeben« wie der Malik-Verlag, gratulierten die sozialdemokratischen »Monatsblätter für Kultur der Arbeiterschaft« Kulturwille 1927 dem von den Brüdern Herzfelde gegründeten Verlag zu seinem zehnjährigen Bestehen.

Als der Malik-Verlag 1917 gegründet wurde, tobte noch der Erste Weltkrieg. Eine straffe Zensur unterdrückte jegliche Antikriegsliteratur und überhaupt aufrührerische Literatur. Um den Verlag überhaupt gründen zu können, hatten Wieland Herzfelde und sein Bruder Helmut – der sich seit 1916 aus Protest gegen den englandfeindlichen Nationalismus des deutschen Kaiserreiches John Heartfield nannte – deshalb zu einem Trick greifen müssen: Dem Chef der Zensur, General von Kessel, wurde eingeredet, dass der Verlag Else Lasker-Schülers Roman »Der Malik« drucken wolle, in dessen Mittelpunkt der türkische Prinz Malik und somit ein wichtiger Verbündeter Deutschlands stehe.

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Erstmals veröffentlicht: Clara Zetkins Briefe gegen den Krieg und die Burgfriedenpolitik der SPD

Sie stritt für den Frieden und gegen den ersten Weltkrieg, für die Gleichberechtigung der Frau und initiierte den internationalen Frauentag: Clara Zetkin. Doch ihr Werk ist kaum erschlossen. In der DDR erschienen 1955 eine einbändige und ab 1957 eine dreibändige Auswahl von Reden und Schriften und ebenfalls 1957 eine ausführliche Biographie. In der BRD interessierte sie dagegen kaum jemanden. Die Briefe blieben allerdings auch in der DDR weitgehend unbeachtet. Umso erfreulicher ist es, dass mit »Die Kriegsbriefe« jetzt der erste Band ihrer sehr umfangreichen Korrespondenz veröffentlicht worden ist.

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Trotz PISA: An den Bibliotheken wird unverändert gespart

Es vergeht keine PISA-Studie, die nicht mangelnde Lesefähigkeiten vieler Jugendlicher bestätigt. Selbst das Bundesministerium für Bildung und Forschung musste bereits vor Jahren einräumen, dass deren Chancen im Berufsleben »deutlich herabgesetzt« sind. Zu den zentralen Orten, die zum Lesen anregen sollen, gehören nicht zuletzt die Bibliotheken. Doch statt sich um ihre ureigenste Aufgabe kümmern zu können, müssen sie seit Jahren vor allem um ihre eigene Existenzsicherung kämpfen.

Auch der im Oktober 2016 veröffentlichte Bericht zur Lage der Bibliotheken 2016/17 muss wieder ein düsteres Bild zeichnen. Jede vierte öffentliche Bibliothek ist danach von »Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen« betroffen. In der Praxis heißt das meistens, sie müssen mit noch weniger Geld auskommen. 17 Prozent der öffentlichen Bibliotheken bekommen weniger Zuschüsse und 12 Prozent müssen ihre Einnahmen erhöhen.

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Christian Adam über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945

Seitdem 2010 seine Untersuchung »Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich« erschienen ist, gilt der Literaturwissenschaftler Christian Adam als Fachmann für eine neue, ungewohnte Betrachtungsweise des nationalsozialistischen Literaturbetriebes. Auf einer Diskussionsveranstaltung am 22. März 2016 im Literaturforum im Brecht-Haus stellte er nun seine neueste Untersuchung vor: »Der Traum vom Jahre Null. Die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945«.

Für Adam bestehen keine Zweifel, dass »wir« 1945 nicht bei null begonnen haben. Das konnte alleine schon deshalb nicht der Fall sein, weil die Menschen die gleichen geblieben waren. So wenig wie sich ihr Weltbild alleine durch die Befreiung – oder, wie wohl eine Mehrheit formulierte, die Niederlage – änderte, änderten sich auch ihre Lesegewohnheiten.

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Literaturnobelpreis an Swetlana Alexijewitsch für »guten Journalismus« und Annäherung an den Westen

Kaum hatte die Schwedische Akademie die Verleihung des Literaturnobelpreises 2015 an Swetlana Alexijewitsch bekanntgegeben, schon gratulierte ihr der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko. Voll des Lobes zeigte sich ebenfalls das belorussische Außenministerium, das ihre Auszeichnung als einen »Meilenstein der Herausbildung der belorussischen Nation und ihres souveränen Staates« feierte.

Dass Alexijewitsch nie ein Parteigänger von Lukaschenko war, sondern sich noch zu Sowjetzeiten der westlich orientierten Opposition anschloss, scheint für das gegenwärtige Regime kein Problem zu sein. Umgekehrt hat es ihr aber ganz offensichtlich auch nicht bei der belorussischen Opposition und im antirussischen Westen geschadet, dass sie in Russisch schreibt, weil sie die belorussische Sprache für »bäurisch und literarisch unreif« hält, wie sie gegenüber der FAZ geäußert haben soll.

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