Archiv der Kategorie: Bücher

Klein, aber fein: Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«

Gerade einmal 64 Seiten zählt Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«. Marohn war vor allem Historiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Czichon veröffentlichten Sachbücher über die »DDR im Perestroika-Ausverkauf« und über den 1944 von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann. Seine Gedichte erschienen erst postum 2017, zwei Jahre nach seinem Tod.

Viele Gedichte sind politisch. Es geht um den Nahen Osten, um den Frieden, der »kein Geschenk, weder des Himmels noch von Menschen« ist, sondern aus »aktivem Handeln« kommt, um die »Abermillionen Toten und Geschädigten aller Kriege«, um das Einmischen gegen Unrecht. Noch häufiger allerdings schreibt Marohn über die Liebe, eine Liebe »Hoffend auf Wiederkehr«, zwischen »Erwartungen« und »Enttäuschung«, so wie in seinem Gedicht »Mein Traum«:

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Regina Scheer auf der Suche nach Spuren des jüdischen Kinderheims Ahawah in der Berliner Auguststraße

Die Fenster im Erdgeschoss sind zugeklebt, von der Toreinfahrt bröckelt der Putz und ab dem ersten Stock ist die Fassade mit einem Netz zugehangen. Der Verfall ist nicht zu übersehen. Dabei ist es kein Haus wie viele andere. Eine Gedenktafel verkündet vielmehr, dass sich hier einst das jüdische Kinderheim Ahawah befand, bevor die Nazis es zu einem Sammellager für zur Deportation vorgesehene alte und kranke jüdische Menschen bestimmten.

Dass die Geschichte dieses Hauses dem Vergessen entrissen wurde, ist vor allem der Schriftstellerin Regina Scheer zu verdanken. Über Jahrzehnte hat sie Spuren gesucht und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zusammengetragen. Die Ergebnisse hat sie schließlich in dem Buch »AHAWAH. Das vergessene Haus: Spurensuche in der Berliner Auguststraße« zusammengefasst.

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Historiker Karsten Heinz Schönbach belegt detailreich aktive Unterstützung der deutschen Konzerne für die NSDAP

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen.

Schönbach setzt sich in dem auf seine Dissertation zurückgehenden Werk dezidiert mit der von der bürgerlichen Geschichtsforschung verbreiteten Behauptung auseinander, bestenfalls Teile der deutschen Wirtschaft hätten Hitler und die NSDAP unterstützt, die Mehrheit sei vielmehr selbst ein Opfer der Faschisten geworden.

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Saphia Azzeddine lässt ihren Helden in »Mein Vater ist Putzfrau« nach Worten und Frauen suchen

Eines muss ich Saphia Azzeddine bescheinigen: Ihren Roman »Mein Vater ist Putzfrau« zu lesen, bereitet viel Vergnügen. Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Paul, genannt Polo. Er lebt in einer der Pariser Banlieues, ist weiß, hässlich und arm. Seine Mutter sitzt im Rollstuhl, die Schwester hangelt sich durch die Betten und träumt von einer Karriere als Schönheitskönigin und sein Vater verdingt sich als Reinigungskraft, um der Familie ein leidliches Auskommen zu sichern.

Nach der Schule greift Paul ihm oft unter die Arme. Er poliert, putzt, scheuert und saugt Staub, damit »wir früher nach Hause kommen. Und auch, weil er mein Vater ist«.

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Erstmals veröffentlicht: Clara Zetkins Briefe gegen den Krieg und die Burgfriedenpolitik der SPD

Sie stritt für den Frieden und gegen den ersten Weltkrieg, für die Gleichberechtigung der Frau und initiierte den internationalen Frauentag: Clara Zetkin. Doch ihr Werk ist kaum erschlossen. In der DDR erschienen 1955 eine einbändige und ab 1957 eine dreibändige Auswahl von Reden und Schriften und ebenfalls 1957 eine ausführliche Biographie. In der BRD interessierte sie dagegen kaum jemanden. Die Briefe blieben allerdings auch in der DDR weitgehend unbeachtet. Umso erfreulicher ist es, dass mit »Die Kriegsbriefe« jetzt der erste Band ihrer sehr umfangreichen Korrespondenz veröffentlicht worden ist.

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