Archiv der Kategorie: Bücher

Nicht nur in »Felix Guttmann« setzte sich Peter Härtling literarisch mit der deutschen Vergangenheit auseinander

Bei der Büchergilde Gutenberg erscheinende Bücher sind häufig viel mehr als einfach nur Bücher, oft sind es wahre kleine bibliophile Kostbarkeiten. Sind es dann auch noch literarische herausragende Titel wie Peter Härtlings Roman »Felix Guttmann«, macht es doppelt Spaß, sich in sie zu vertiefen.

Sicherlich trug auch die sehr gelungene typographische Gestaltung dazu bei, dass mich »Felix Guttmann« damals wie heute so begeistert. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, »Felix Guttmann« bedürfe dieser gestalterischen Aufwertung. Im Gegenteil: Er hat sie verdient. Zugegeben sei allerdings, dass dies auch andere Romane Härtlings verdient hätten.

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In Deutschland zu unrecht kaum bekannt: der chilenische Lyriker Gonzalo Rojas

Gonzalo Rojas gilt zwar als einer der bedeutendsten lateinamerikanischen Lyriker der Gegenwart, in Deutschland allerdings ist sein Namen bislang nahezu unbekannt. Dazu hat auch beigetragen, dass seine wenigen bisher ins Deutsche übersetzten Bücher bereits seit Jahren nur noch antiquarisch erhältlich sind. Doch mit der Anthologie »Atemübung« könnte sich das jetzt ändern.

Auf 240 Seiten versammelt der in der Edition Schwarzdruck erschienene Band, wie es im Untertitel heißt, »Gedichte aus sieben Jahrzehnten«. Die meisten sind für diesen Band erstmals übersetzt worden.

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Klein, aber fein: Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«

Gerade einmal 64 Seiten zählt Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«. Marohn war vor allem Historiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Czichon veröffentlichten Sachbücher über die »DDR im Perestroika-Ausverkauf« und über den 1944 von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann. Seine Gedichte erschienen erst postum 2017, zwei Jahre nach seinem Tod.

Viele Gedichte sind politisch. Es geht um den Nahen Osten, um den Frieden, der »kein Geschenk, weder des Himmels noch von Menschen« ist, sondern aus »aktivem Handeln« kommt, um die »Abermillionen Toten und Geschädigten aller Kriege«, um das Einmischen gegen Unrecht. Noch häufiger allerdings schreibt Marohn über die Liebe, eine Liebe »Hoffend auf Wiederkehr«, zwischen »Erwartungen« und »Enttäuschung«, so wie in seinem Gedicht »Mein Traum«:

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Regina Scheer auf der Suche nach Spuren des jüdischen Kinderheims Ahawah in der Berliner Auguststraße

Die Fenster im Erdgeschoss sind zugeklebt, von der Toreinfahrt bröckelt der Putz und ab dem ersten Stock ist die Fassade mit einem Netz zugehangen. Der Verfall ist nicht zu übersehen. Dabei ist es kein Haus wie viele andere. Eine Gedenktafel verkündet vielmehr, dass sich hier einst das jüdische Kinderheim Ahawah befand, bevor die Nazis es zu einem Sammellager für zur Deportation vorgesehene alte und kranke jüdische Menschen bestimmten.

Dass die Geschichte dieses Hauses dem Vergessen entrissen wurde, ist vor allem der Schriftstellerin Regina Scheer zu verdanken. Über Jahrzehnte hat sie Spuren gesucht und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zusammengetragen. Die Ergebnisse hat sie schließlich in dem Buch »AHAWAH. Das vergessene Haus: Spurensuche in der Berliner Auguststraße« zusammengefasst.

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Historiker Karsten Heinz Schönbach belegt detailreich aktive Unterstützung der deutschen Konzerne für die NSDAP

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen.

Schönbach setzt sich in dem auf seine Dissertation zurückgehenden Werk dezidiert mit der von der bürgerlichen Geschichtsforschung verbreiteten Behauptung auseinander, bestenfalls Teile der deutschen Wirtschaft hätten Hitler und die NSDAP unterstützt, die Mehrheit sei vielmehr selbst ein Opfer der Faschisten geworden.

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