Archiv der Kategorie: Autoren

Regina Scheer auf der Suche nach Spuren des jüdischen Kinderheims Ahawah in der Berliner Auguststraße

Die Fenster im Erdgeschoss sind zugeklebt, von der Toreinfahrt bröckelt der Putz und ab dem ersten Stock ist die Fassade mit einem Netz zugehangen. Der Verfall ist nicht zu übersehen. Dabei ist es kein Haus wie viele andere. Eine Gedenktafel verkündet vielmehr, dass sich hier einst das jüdische Kinderheim Ahawah befand, bevor die Nazis es zu einem Sammellager für zur Deportation vorgesehene alte und kranke jüdische Menschen bestimmten.

Dass die Geschichte dieses Hauses dem Vergessen entrissen wurde, ist vor allem der Schriftstellerin Regina Scheer zu verdanken. Über Jahrzehnte hat sie Spuren gesucht und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zusammengetragen. Die Ergebnisse hat sie schließlich in dem Buch »AHAWAH. Das vergessene Haus: Spurensuche in der Berliner Auguststraße« zusammengefasst.

Veröffentlicht unter Autoren, Bücher | Hinterlasse einen Kommentar

Historiker Karsten Heinz Schönbach belegt detailreich aktive Unterstützung der deutschen Konzerne für die NSDAP

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen.

Schönbach setzt sich in dem auf seine Dissertation zurückgehenden Werk dezidiert mit der von der bürgerlichen Geschichtsforschung verbreiteten Behauptung auseinander, bestenfalls Teile der deutschen Wirtschaft hätten Hitler und die NSDAP unterstützt, die Mehrheit sei vielmehr selbst ein Opfer der Faschisten geworden.

Veröffentlicht unter Autoren, Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ausstellung bringt Leben und Schaffen von Klaus und Erika Mann näher

»›Es ist also ein Mädchen.‹ Hommage an Erika und Klaus Mann« heißt eine Ausstellung des Schwulen Museums in Berlin. Dass eine Ausstellung über die beiden Geschwister nicht möglich ist, ohne ausführlich auch auf ihren Vater Thomas Mann einzugehen, versteht sich von selbst. Das Besondere ist jedoch, dass der Blick meistens von den Kindern ausgeht.

Das Zitat »Es ist also ein Mädchen« ist einem Brief ihres homosexuellen Vaters an seinen Bruder Heinrich entnommen. »Ich empfinde einen Sohn als poesievoller, mehr als Fortsetzung und Wiederbeginn meinerselbst unter neuen Bedingungen«, schrieb er ihm. Tatsächlich waren es jedoch gerade die beiden Ältesten Erika und Klaus sowie die jüngste Tochter Elisabeth, die er »mit seltsamer Entschiedenheit bevorzuge«, wie Thomas später bekannte.

Veröffentlicht unter Autoren | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

Saphia Azzeddine lässt ihren Helden in »Mein Vater ist Putzfrau« nach Worten und Frauen suchen

Eines muss ich Saphia Azzeddine bescheinigen: Ihren Roman »Mein Vater ist Putzfrau« zu lesen, bereitet viel Vergnügen. Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Paul, genannt Polo. Er lebt in einer der Pariser Banlieues, ist weiß, hässlich und arm. Seine Mutter sitzt im Rollstuhl, die Schwester hangelt sich durch die Betten und träumt von einer Karriere als Schönheitskönigin und sein Vater verdingt sich als Reinigungskraft, um der Familie ein leidliches Auskommen zu sichern.

Nach der Schule greift Paul ihm oft unter die Arme. Er poliert, putzt, scheuert und saugt Staub, damit »wir früher nach Hause kommen. Und auch, weil er mein Vater ist«.

Veröffentlicht unter Autoren, Bücher | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

Gelungene Satiren: Benito Wogatzkis „Das Narrenfell“ und „Fleur“

Benito Wogatzki gehörte in der DDR zu den populärsten Schriftstellern. Kurz nach seinem Tod am 25. Juli 2016 hatte ich in einem Nachruf auf diesem Blog an ihn und seine Romane »Romanze mit Amélie«, »Ein goldener Schweif am Horizont von Thumbach« und »Flieh mit dem Löwen« erinnert.

Nicht lange danach bekam ich seine Romane »Das Narrenfell« und »Fleur« geschenkt. Beide Bücher wollte ich ebenfalls auf dem Sprachrand vorstellen. Doch dann wurde der Blogbeitrag länger und länger – zu lang für den Sprachrandblog. Und so findet er sich jetzt als Zweiteiler auf den Buchentdeckungen. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht sein Roman »Das Narrenfell«, im zweiten der Roman »Fleur«.

Veröffentlicht unter Autoren, Bücher | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert