Archiv des Autors: Heinz W. Pahlke

Gebärdensprache und Gebärdensprachpoesie führen noch immer ein Schattendasein

Es ist kaum noch vorstellbar, dass noch in die achtziger Jahre hinein die Gebärdensprache in Deutschland an den Schulen weder gelehrt noch verwendet werden durfte. Dabei handelt es sich bei ihr um eine vollständige, komplexe natürliche Sprache, wie Gebärdensprachlinguist Markus Steinbach in einer Vorlesung an der Freien Universität Berlin unterstrich.

Rechtlich anerkannt wurde sie trotzdem erst 2002 durch das Behindertengleichstellungsgesetz. Ihre Anerkennung als Minderheitensprache indes steht weiterhin aus.

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Nicht nur in »Felix Guttmann« setzte sich Peter Härtling literarisch mit der deutschen Vergangenheit auseinander

Bei der Büchergilde Gutenberg erscheinende Bücher sind häufig viel mehr als einfach nur Bücher, oft sind es wahre kleine bibliophile Kostbarkeiten. Sind es dann auch noch literarische herausragende Titel wie Peter Härtlings Roman »Felix Guttmann«, macht es doppelt Spaß, sich in sie zu vertiefen.

Sicherlich trug auch die sehr gelungene typographische Gestaltung dazu bei, dass mich »Felix Guttmann« damals wie heute so begeistert. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, »Felix Guttmann« bedürfe dieser gestalterischen Aufwertung. Im Gegenteil: Er hat sie verdient. Zugegeben sei allerdings, dass dies auch andere Romane Härtlings verdient hätten.

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Nach mehr als 100 Jahren ist das Versal-ß endlich offiziell anerkannt

Endlich gibt es das große Eszett auch offiziell. Nachdem die Kultusminister der deutschen Länder und die Zuständigen in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und Belgiens dem Vorschlag des Rats für deutsche Rechtschreibung zugestimmt haben, darf das Versal-Eszett jetzt auch offiziell anstelle des bisher allein zulässigen Doppel-S verwendet werden.

Dabei ist die Idee des Versal-ẞ schon weit über hundert Jahre alt. Doch der Weg zur offiziellen Anerkennung war lang und steinig.

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Parasitenpresse als Verlag junger Lyrikerinnen und Lyriker

Gegründet ist ein Literaturverlag schnell, doch ihn erfolgreich am Markt zu halten, gelingt nur wenigen Jungverlegern. Zu letzteren gehören Adrian Kasnitz und Wassiliki Knithaki mit ihrer 2000 in Köln gegründeten und immer noch dort ansässigen Parasitenpresse.

Gut 70 Titel sind bislang erschienen. Die meisten entfallen auf die Lyrikreihe, einer Heftreihe von 14 Seiten Umfang, die von Hand zusammengelegt und klammergeheftet werden. Manche starten mit einer Auflage von 50 Exemplaren und kommen kaum darüber hinaus, andere wiederum erreichen im Laufe der Zeit eine Gesamtauflage von einigen Hundert Exemplaren. Dazu kommen immer wieder Bücher, wobei auch hier die Lyrik dominiert.

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Widad Nabi und Sjón als Entdeckungen auf dem Berliner Lyrikmarkt

Dieses Jahr waren es vor allem zwei Namen, die dem Lyrikmarkt am letzten Juniwochenende in der Akademie der Künste in Berlin für mich ihren Stempel aufdrückten: die in Kobanê geborene und vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohene Widad Nabi und der Isländer Sjón. Fasziniert Widad Nabi vor allem durch eine geschickte Verflechtung von Alltagsbeobachtungen mit weltpolitischen Betrachtungen, beeindruckt Sjón besonders durch eine ungewöhnliche poetische Sprache.

Leider war die den einzelnen Vortragenden zur Verfügung stehende Zeit äußerst knapp bemessen. Sehr viel mehr konnte man von Sjón eine knappe Woche vorher auf einer Lesung zusammen mit dem Norweger Øyvind Rimbereid im Felleshus der Nordischen Botschaften hören. Das Naheliegendste, einfach in den nächsten Buchladen zu gehen, bringt dagegen wenig.

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