Archiv des Autors: Heinz W. Pahlke

Mehr Literatursendungen im Radio als gedacht

Literatur im Radio? Gibt es natürlich, aber nur selten. So meine bisherige Überzeugung. Doch die Wirklichkeit sieht viel erfreulicher aus. Der freie Journalist, Buchautor und Blogger Jens Brehl hat recherchiert: Alleine im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es mindestens 86 Sendungen, die sich dem Thema Bücher widmen.

Die Spannbreite reicht von Buchvorstellungen und Autorenportraits über Lesungen und Festivals bis zu Verleger- und Kritikergesprächen. Es geht um ganz allgemein Belletristik, um Krimis, Reiseführer, Kinder- und Jugendbücher, Lyrik, um Sachbücher, um Bücher von deutschsprachigen und fremdsprachigen Autorinnen und Autoren, um Hörbücher und manchmal auch E-Books.

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Über positiven und negativen Optimismus

Letzte Nacht im Radio gehört: »positiver Optimismus«. Nun habe ich zwar eine Vorstellung von positiv und von Optimismus, aber ein Blick in den Duden kann ja nie schaden. »Optimismus« definiert dieser als »Lebensauffassung, die alles von der besten Seite betrachtet; heitere, zuversichtliche, lebensbejahende Grundhaltung« und »positiv« als »bejahend […] günstig, vorteilhaft, wünschenswert, erfreulich«. Ich hätte es ähnlich formuliert.

Aber »positiver Optimismus«? Eine bejahende lebensbejahende Grundhaltung? Mein Deutschlehrer hätte mir das als Ausdrucksfehler oder – wie es flapsig ausgedrückt hieß – doppeltgemoppelt angestrichen. Oder sollte mit dem »positiv« von einem negativen Optimismus abgegrenzt werden, wobei sich dann allerdings sogleich die Frage stellte, was unter diesem negativen Optimismus zu verstehen wäre.

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Mit Werner Klemke wurde in Berlin endlich einer der international bedeutendsten Buchillustratoren geehrt

»Er war einer der berühmtesten Buchillustratoren der DDR von internationaler Bedeutung«, heißt es in leicht verschwurbelter Sprache auf der Gedenktafel am Haus Tassostraße 21 in Berlin-Weißensee. Die Ehre gilt Werner Klemke, der hier von 1954 bis zu seinem Tode 1994 gelebt hat. Am 12. März 2017 wäre er einhundert geworden.

Das erste Mal kam ich mit seinen Zeichnungen in Berührung, als mir meine Eltern Benno Pludras wunderbares Kinderbuch »Bootsmann auf der Scholle« schenkten. Natürlich wusste ich damals nicht, dass der Einband und die Illustrationen im Buchblock von Klemke stammten, doch hinterließen sie einen bleibenden Eindruck. Bis heute steht dieses Büchlein in meinem Bücherschrank. Leider irgendwann verloren gegangen ist dagegen Fred Rodrians Kinderbuch »Hirsch Heinrich« mit den nicht weniger eindrucksvollen Illustrationen Klemkes.

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Vor 100 Jahren wurde mit dem Malik-Verlag der wichtigste Verlag für linksrevolutionäre Literatur gegründet

»Kaum ein Verlag in Deutschland hat so scharf profilierte und einprägsame, dabei qualitativ hochwertige Erzeugnisse herausgegeben« wie der Malik-Verlag, gratulierten die sozialdemokratischen »Monatsblätter für Kultur der Arbeiterschaft« Kulturwille 1927 dem von den Brüdern Herzfelde gegründeten Verlag zu seinem zehnjährigen Bestehen.

Als der Malik-Verlag 1917 gegründet wurde, tobte noch der Erste Weltkrieg. Eine straffe Zensur unterdrückte jegliche Antikriegsliteratur und überhaupt aufrührerische Literatur. Um den Verlag überhaupt gründen zu können, hatten Wieland Herzfelde und sein Bruder Helmut – der sich seit 1916 aus Protest gegen den englandfeindlichen Nationalismus des deutschen Kaiserreiches John Heartfield nannte – deshalb zu einem Trick greifen müssen: Dem Chef der Zensur, General von Kessel, wurde eingeredet, dass der Verlag Else Lasker-Schülers Roman »Der Malik« drucken wolle, in dessen Mittelpunkt der türkische Prinz Malik und somit ein wichtiger Verbündeter Deutschlands stehe.

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Geschickt gegendert: Wenn aus Komponisten kompositionstätige Personen werden

Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Das trifft auch auf das Genderwörterbuch »Geschickt Gendern« zu. Dabei ist die Idee keineswegs schlecht. Oder im Gegenteil: Sie ist sogar hervorragend. Die Umsetzung allerdings … An ihr hapert es leider sehr. Neben vielen guten Formulierungsvorschlägen wimmelt es an Vorschlägen, die in Beamtenstuben ausgeheckt worden sein könnten.

Zu ersteren gehören Vorschläge wie, »[D]er ein oder andere« durch »die eine oder der andere« zu ersetzen, »Alkoholiker« durch »Alkoholsüchtige«, »Benutzerordnung« durch »Benutzungsordnung«, »Brüderlichkeit« durch »Mitmenschlichkeit; Solidarität«, »Fußgängerstreifen« durch »Zebrastreifen«, »Referenten« durch »Referierende; Vortragende«, »Studenten« durch »Studierende«, »Vertragspartner« durch »Vertragsparteien« oder »Zuhörer« durch »Publikum; Auditorium«. Gegen sie ist wenig einzuwenden.

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