Widad Nabi und Sjón als Entdeckungen auf dem Berliner Lyrikmarkt

Dieses Jahr waren es vor allem zwei Namen, die dem Lyrikmarkt am letzten Juniwochenende in der Akademie der Künste in Berlin für mich ihren Stempel aufdrückten: die in Kobanê geborene und vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohene Widad Nabi und der Isländer Sjón. Fasziniert Widad Nabi vor allem durch eine geschickte Verflechtung von Alltagsbeobachtungen mit weltpolitischen Betrachtungen, beeindruckt Sjón besonders durch eine ungewöhnliche poetische Sprache.

Leider war die den einzelnen Vortragenden zur Verfügung stehende Zeit äußerst knapp bemessen. Sehr viel mehr konnte man von Sjón eine knappe Woche vorher auf einer Lesung zusammen mit dem Norweger Øyvind Rimbereid im Felleshus der Nordischen Botschaften hören. Das Naheliegendste, einfach in den nächsten Buchladen zu gehen, bringt dagegen wenig.

Keines der Bücher von Widad Nabi wurde bislang ins Deutsche übersetzt. Lediglich in der vom Verlag Secession herausgegebenen Anthologie »Weg sein – hier sein« findet sich ein Text von ihr. Von Sjón ist zwar bereits 2006 bei Kleinheinrich der Gedichtband »gesang des steinesammler« erschienen, doch im Handel ist er kaum erhältlich. So ist er hierzulande fast nur durch seine bei S. Fischer verlegten Romane bekannt.

Auch wenn man weiß, wie schwer sich Lyrik verkauft: Vielleicht findet sich doch irgendwann ein ambitionierter Verlag, der das Wagnis eingeht.

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