Klein, aber fein: Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«

Gerade einmal 64 Seiten zählt Heinz Marohns Gedichtband »Spring Quelle spring, mich dürstet«. Marohn war vor allem Historiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Czichon veröffentlichten Sachbücher über die »DDR im Perestroika-Ausverkauf« und über den 1944 von den Nazis ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann. Seine Gedichte erschienen erst postum 2017, zwei Jahre nach seinem Tod.

Viele Gedichte sind politisch. Es geht um den Nahen Osten, um den Frieden, der »kein Geschenk, weder des Himmels noch von Menschen« ist, sondern aus »aktivem Handeln« kommt, um die »Abermillionen Toten und Geschädigten aller Kriege«, um das Einmischen gegen Unrecht. Noch häufiger allerdings schreibt Marohn über die Liebe, eine Liebe »Hoffend auf Wiederkehr«, zwischen »Erwartungen« und »Enttäuschung«, so wie in seinem Gedicht »Mein Traum«:

Ich falle,
Wohin? Nirgend hin . –
Es ist was es ist
Liebe!
 
Mein Traum ist ein sanfter,
Dem ich Wirklichkeit geben will.

Erfüllung findet die Liebe bei Marohn selten. Und sie verhindert auch nicht die von ihm in mehreren Gedichten beklagte Einsamkeit der Menschen.

Aber,
Man kann auch
Einsam sein
Unter vielen Menschen,
die Reden, Singen, Lachen, Tanzen, Küssen,
Weil eine,
Die man liebt,
nicht dabei ist.

Zu seinen Besten gehört sein Gedicht »Lebensspiel«. Schnell erkennen die Leserinnen und Leser, dass Marohn über sich schreibt und der Spieltisch keineswegs im Spielcasino steht. In »Lebensspiel« fasst Marohn sein Leben in wenigen Versen zusammen:

Am Spieltisch des Lebens sitzend
Mache ich meine Einsätze.
Achtzig Jahre schon,
unsicher, wahllos anfangs,
später bewußt.
Mit Lust am Spiel.
Seit Jahrzehnten
Auf Rot setzend.

Marohn wurde schon früh Kommunist. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er auch nach dem Ende der DDR an seinen alten Idealen festgehalten. In der PDS und später der Partei Die Linke gehörte er der Kommunistischen Plattform an. Den zu Sozialdemokraten gewendeten Parteioberen wurde er spätestens suspekt, als er forderte, PDS-Funktionäre sollten nicht nur ihre Verbindungen zur DDR-Staatssicherheit, sondern ebenso zu westlichen Geheimdiensten offenlegen. Diesen Weg wollte nur eine Minderheit seiner Partei mitgehen. Diese Erfahrung war für ihn indes nicht neu. Manch einen Weggenossen hatte er bereits in den Jahren zuvor verloren, wie er in »Lebensspiel« beklagt:

Ich verliere und gewinne,
Mitspieler stehen auf und gehen,
kommen nicht wieder.
Verlierer, Gewinner, für immer Ausgeschiedene.

Erschienen ist »Spring Quelle spring, mich dürstet« von Heinz Marohn 2017 im Verlag Wiljo Heinen. Zusammengestellt wurden die Gedichte von Anja Mewes.

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