Martin Amstutz’ »Wochenblätter« in der Galerie Eremitage

Auf den ersten Blick könnte man denken, es handele sich tatsächlich um die Titelseiten einer Zeitung. Immerhin prangt auf ihnen in großen Lettern gedruckt »Wochenblatt«. Tritt man näher, liest man Nummern wie 103, 124, 135, 166, 234, 276, 311, 471, 585 oder 655, die auf eine traditionsreiche Wochenzeitung hindeuten. Selbst ein ausführliches Impressum fehlt nicht.

Eines allerdings lässt einen bald stutzig zu werden: Für eine Zeitung sehen viele Titelseiten viel zu experimentell aus. Da gibt es nicht nur Schlagzeilen, Berichte und kurze Meldungen, sondern mitten über den Text ist beispielsweise fett »13 Stühle«, »Rudovous – Käptn Rotbart reitet wieder«, »13. Februar folgt grüner Katze zum Glück« oder »Plan P läuft« gedruckt. Oft sind die Aufdrucke auch in anderen Sprachen: tschechisch, russisch, englisch.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung in der Galerie Eremitage
Foto: Heinz W. Pahlke

Tatsächlich handelt es sich nicht um Titelseiten einer Zeitung, auch wenn sie die Anmutung von Zeitungsseiten haben. In ihrer typographischen und graphischen Gestaltung wirken die Blätter einerseits als eigenständige Kunstwerke, transportieren aber durch die Texte und Abbildungen gleichzeitig auch literarische, dadaistische und politische Inhalte.

Schöpfer der Blätter ist der Schweizer Drucker und Musiker Martin Amstutz. Zu sehen sind die vermutlich zum ersten Mal in Deutschland gezeigten Arbeiten noch bis zum 18. Mai 2017 in der Galerie Eremitage in Gransee bei Berlin.

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