Mit Werner Klemke wurde in Berlin endlich einer der international bedeutendsten Buchillustratoren geehrt

»Er war einer der berühmtesten Buchillustratoren der DDR von internationaler Bedeutung«, heißt es in leicht verschwurbelter Sprache auf der Gedenktafel am Haus Tassostraße 21 in Berlin-Weißensee. Die Ehre gilt Werner Klemke, der hier von 1954 bis zu seinem Tode 1994 gelebt hat. Am 12. März 2017 wäre er einhundert geworden.

Das erste Mal kam ich mit seinen Zeichnungen in Berührung, als mir meine Eltern Benno Pludras wunderbares Kinderbuch »Bootsmann auf der Scholle« schenkten. Natürlich wusste ich damals nicht, dass der Einband und die Illustrationen im Buchblock von Klemke stammten, doch hinterließen sie einen bleibenden Eindruck. Bis heute steht dieses Büchlein in meinem Bücherschrank. Leider irgendwann verloren gegangen ist dagegen Fred Rodrians Kinderbuch »Hirsch Heinrich« mit den nicht weniger eindrucksvollen Illustrationen Klemkes.

In den 1980er und 1990er Jahren kamen dann Bücher wie Louis Aragons »Die Glocken von Basel« und »Karwoche« oder Jorge Amados »Jubiabá« und »Werkstatt der Wunder« hinzu, für die Klemke die Schutzumschläge gestaltet hatte.

Da war mir der Name Klemke bereits lange ein Begriff, war mir doch in den siebziger Jahren das legendäre Magazin in die Hände gefallen, für das er schon seit 1954 die Umschläge gestaltete. Im Publizistikstudium bekamen wir damals zu hören, dass gezeichnete Umschläge und Einbände altbacken seien. Die das behaupteten, können niemals eine Titelseite des Magazins gesehen haben. Selten nur sind mir so frische, spritzige, humorvolle und oft auch erotische Titelseiten begegnet wie die von ihm gezeichneten des Magazins. Das I-Tüpfelchen jedes Mal der schwarze Kater. Mal schien er die knisternde Erotik offen zu genießen, dann lugten wieder nur eine Schwanzspitze oder ein paar Barthaare hervor.

Annähernd 900 Büchern hat er von 1945 bis 1991 mitgestaltet und genau 423 Ausgaben des Magazins zierten eine Titelseite aus seiner Hand. Doch Klemkes Schaffen beschränkte sich nicht auf die Buchgestaltung und die Gestaltung der Magazin-Titelseiten. Ebenso gestaltete er Plakate, Prospekte, Ausstellungskataloge, Bühnenbilder, Theaterkostüme, Schallplattenhüllen, Abziehbilder, Briefmarken, Postkarten und Speisekarten.

Eine Auswahl seiner Buchillustrationen findet sich auf der von der Erbengemeinschaft Klemke betriebenen Homepage für Werner Klemke.

Für seine Arbeiten wurde Klemke mehrfach ausgezeichnet. Seine Büchern wurden zum »Schönsten Buch des Jahres« gekürt und erhielten Medaillen bei internationalen Buchkunst-Ausstellungen, für seine Illustrationen des »Decamerone« verlieh ihm Giovanni Boccaccios Geburtsstadt Certaldo die Ehrenbürgerschaft, er wurde zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste der DDR gewählt, wurde mit dem Nationalpreis der DDR und dem Vaterländischen Verdienstorden ausgezeichnet und Ehrenmitglied der Kunstakademie der UdSSR.

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Stele für den berühmten Buchillustrator im Werner-Klemke-Park in Berlin
Foto: Heinz W. Pahlke

Das wiedervereinigte Berlin wusste mit Klemke allerdings wenig anzufangen. Als er 1994 starb, zeigten sich weder die Akademie der Künste noch die Deutsche Staatsbibliothek an seinem Nachlass interessiert. So landete es schließlich im auf Buchkunst und Typographie spezialisierten Klingspor-Museum in Offenbach.

Nur wenige Hundert Meter entfernt von dem Mietshaus, in dem Klemke vier Jahrzehnte gewohnt hat, erstreckt sich zwischen Woelckpromenade und Parkstraße eine kleine und bis vor Kurzem namenlose Grünanlage. Seit dem 12. März 2017 heißt sie Werner-Klemke-Park. Eine Stele unweit des Goldfischteiches gibt Auskunft über ihren Namensgeber.

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