Bald zwei Jahrzehnte wurde in Moskau um ein Denkmal für Michail Bulgakow gestritten

Moskau bekommt endlich ein Bulgakow-Denkmal. Oder genauer gesagt: sein erstes, das jederzeit öffentlich zugänglich ist. Das erste Denkmal überhaupt steht im Bulgakow-Museum in der Bolschaja Sadowaja ulica 10, wo Michail Bulgakow von 1921 bis 1924 mit seiner ersten Frau Tatjana Nikolajewna Lappa gelebt hat. Das neue dagegen an der Bolschaja Pirogowskaja ulica neben dem Haus, in dem Bulgakow ab 1924 mit seiner zweiten Frau Ljubow Jewgenjewna Beloserskaja gelebt hat.

Eigentlich wollte Moskau den berühmten Schriftsteller bereits vor anderthalb Jahrzehnten mit einem Denkmal ehren. Doch das war die Zeit, als im nachsozialistischen Russland nichts groß genug sein konnte. So sollte Anfang des Jahrtausends an den legendären Patriarchenteichen, denen Bulgakow in seinem Roman »Der Meister und Margarita« ein unsterbliches literarisches Denkmal gesetzt hat, gleich ein ganzes Denkmalsensemble entstehen: der auf einer zerstörten Bank sitzende Schriftsteller, ein auf dem Wasser des Teichs gehender Christus, der Petroleumkocher des Satans sowie ein Basrelief mit Szenen aus »Der Meister und Margarita«.

Gegen diese Idee regte sich in der Bevölkerung allerdings massiver Widerstand. Deshalb sollte das Denkmal nicht mehr an den Patriarchenteichen, sondern abgespeckt am Andreas-Kloster errichtet werden, wo Bulgakows Roman endet. Damit jedoch war wiederum das Moskauer Patriarchats der russisch-orthodoxen Kirche nicht einverstanden. Obwohl mit den Baumaßnahmen am Kloster bereits begonnen worden war, fiel deshalb die Entscheidung, das Projekt einzustellen.

Als Antwort auf diese Groteske entstand jedoch das aus Gips gefertigte Denkmal für Bulgakow, das in seiner ehemaligen Wohnung in der Bolschaja Sadowaja ulica 10 – das heute das Bulgakow-Museum beherbergt – aufgestellt wurde.

Hätte in diesem Jahr nicht der 125. Geburtstag des Schriftstellers angestanden, der in Moskau mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert wurde, müsste Bulgakow wohl weiterhin auf seine Ehrung durch ein öffentliches Denkmal warten. Eigentlich sollte es bereits zu seinem Geburtstag im Mai enthüllt werden. Doch wieder gab es Verzögerungen. Nun wollen es die Verantwortlichen in Moskau wenigstens noch in den letzten Tagen des Jubiläumsjahres schaffen.

Die Groteske um sein Denkmal hätte Michail Bulgakow zweifellos reichlich Stoff für einen weiteren großen satirischen Roman geboten.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.