Über »weibliche Bandleaderinnen« und gedankenloses Gendern

Was sind »weibliche Bandleaderinnen«? Ich kann mir eine Bandleaderin oder einen Bandleader vorstellen, notfalls auch einen weiblichen oder männlichen Bandleader, wenn auf das generische Maskulinum zurückgegriffen wird. Aber eine »weibliche Bandleaderin«?

In einer Rückschau auf das Jazzfest Berlin 2016 gelang dies jedoch dem RBB (Radio Berlin-Brandenburg), als Interviewerin und Interviewter ständig von »weiblichen Bandleaderinnen« sprachen. Der Anlass allerdings war erfreulich: Noch nie haben am Jazzfest Berlin so viele Bandleaderinnen wie in diesem Jahr teilgenommen. Bloß: Muss deshalb die Sprache auf der Strecke bleiben?

Zu Recht wird häufig die gedankenlose Verwendung des generischen Maskulinums kritisiert. Gedankenloses Gendern ist jedoch nicht besser.

Mich erinnerte das spontan an einen Zeitschriftenartikel über ein Bibelthema, in dem konsequent gegendert und über die »Apostel und Apostelinnen« geschrieben wurde. Nun wird zwar immer wieder einmal über eine Päpstin Johanna spekuliert, aber dass sich unter den zwölf Aposteln Jesus eine Frau befunden haben soll, habe ich bis dato noch nicht gehört.

Wer einfach nur gendert, weil es zum Zeitgeist gehört, der produziert schnell sachliche Fehler oder Stilblüten.

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Eine Antwort auf Über »weibliche Bandleaderinnen« und gedankenloses Gendern

  1. Renate Blaes sagt:

    Ich halte von diesem Gender-Wahn absolut nichts! Im Gegenteil, erschwert das Lesen (und auch Hören).