Ein fragwürdiger Verlagsvergleich soll unbedarfte Autorinnen und Autoren ködern

Wo soll ich veröffentlichen? Welche angehenden Autorinnen und Autoren stellen sich diese Frage nicht. Da kommt die Übersicht »Verschiedene Verlagsarten im Vergleich« der Website verlagsvergleich.org gerade recht – zumindest auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen allerdings entpuppt sich das Angebot indes als geschickte Werbung eines bekannten Druckkostenzuschussverlages.

Ein genauerer Blick auf die Vergleichsübersicht lässt allerdings schon Übles ahnen. In ihr wird unterschieden zwischen klassischen Verlagen, Zuschussverlagen, Kleinverlagen, On-Demand-Dienstleistern, Eigenverlagen und – jetzt wird es spannend – Value Added Publishing.

Genau Letzteres wird vom Verlagsvergleich empfohlen: Manuskripte würden geprüft, bis zur Manuskriptannahme vergingen maximal 48 Stunden, die Veröffentlichung erfolge innerhalb höchstens 72 Stunden, der Autor müsse keinen Druckkostenzuschuss zahlen, die Bücher seien in weltweit über 1000 Online-Shops verfügbar.

Dagegen stehen dann besonders die Kleinverlage. Der für die meisten Autorinnen und Autoren der entscheidende und abschreckende Punkt dürfte der Druckkostenzuschuss sein: Zwischen 5000 und 15.000 Euro müssten sie dort bezahlen.

Doch genau Letzteres ist einfach schlichtweg eine Lüge. Schon der Name sollte es sagen: Wer einen Druckkostenzuschuss verlangt, ist ein Druckkostenzuschussverlag und kein klassischer, wirklicher Verlag. Was im Einzelnen unter Druckkostenzuschuss zu verstehen ist, hat das Aktionsbündnis für faire Verlage zusammengestellt, denn an Phantasie mangelt es diesen Unternehmen selten.

Wer auf die Tabelle oder den Link »Hier geht es weiter« klickt, landet tatsächlich bei einem der bekannten Vertreter dieser Branche: dem international agierenden Windsor-Verlag.

Auf seiner Homepage hält er sich zwar mit Angaben zu den Kosten sehr zurück, doch im Verlagsvergleich zeigt man sich viel offenherziger: So werden beim Value Added Publishing 180 Euro als Veröffentlichungskosten berechnet, zwischen 40 und 99 Euro für die Covergestaltung sowie 95 bis 195 Euro für die Gestaltung des Buchblocks. Dazu kommen laut Verlagshomepage noch 29,90 Euro für die Manuskriptprüfung. Ebenso kostenpflichtig sind selbstverständlich Korrektorat und Lektorat.

Bei klassischen Verlagen werden alle diese Ausgaben dagegen vom Verlag getragen, und das unabhängig von der Größe des Verlages. Deshalb müssen klassische Verlage auch sehr sorgfältig prüfen, ob sie ein Manuskript veröffentlichen. Die Vorkosten, die später durch den Verkauf wieder hereingeholt werden müssen, sind schließlich beträchtlich.

Druckkostenzuschussverlage wälzen dagegen dieses finanzielle Risiko auf die Autorinnen und Autoren ab, indem sie sich vorab alle diese Vorarbeiten bezahlen lassen. Manche berüchtigte Vertreter dieser Branche lassen sich sogar ganze Auflagen im voraus bezahlen; sie haben ihr Geld damit bereits lange, bevor die Bücher gedruckt sind, verdient. In dieser Hinsicht hebt sich der Windsor-Verlag zweifellos positiv ab. Eine objektive Entscheidungshilfe bietet der Verlagsvergleich trotzdem nicht.

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2 Antworten auf Ein fragwürdiger Verlagsvergleich soll unbedarfte Autorinnen und Autoren ködern

  1. jetzt wollte ich auch mal gucken… Seite tot… mausetot…. später…

    • Heinz W. Pahlke sagt:

      Beide Links funktionieren. Gerade eben überprüft. Dass Websites mal kurzfristig nicht erreichbar sind, kann aber immer passieren.