Wortwitz, hintergründiger Humor und Ironie bestimmten das literarische Schaffen von Benito Wogatzki

Ich bin selbst überrascht. Gleich drei Bücher von Benito Wogatzki stehen in meinem Bücherschrank: »Romanze mit Amélie«, »Ein goldener Schweif am Horizont von Thumbach« und »Flieh mit dem Löwen«.

»Romanze mit Amélie« ist mir heute noch so lebendig wie damals, als ich es Ende der 1970er Jahre gelesen habe. Dass mir dieser Roman derart in der Erinnerung geblieben ist, liegt gleichermaßen am Thema wie am Schreibstil von Wogatzki.

Jürgen Siebusch und seine Mutter sind vor dem Bombenhagel aus Berlin nach Hohengörse, einem kleinen märkischen Dorf, geflohen, wo er die adlige Gutsbesitzertochter Amélie kennenlernt. Beide verlieben sich. Doch dann ist der Krieg zu Ende und das Gut der Gräfin wird im Zuge der Bodenreform auf die Landarbeiter aufgeteilt. Auch Jürgen soll ein Stück Land erhalten. Amélie allerdings will weg. Jürgen soll ihr im Gutshaus verstecktes Tafelsilber holen, wird dabei jedoch erwischt. Als sie sich dieses mit Waffengewalt nehmen will, wird sie vom Dorfpolizisten erschossen.

Obwohl es alles andere als leichte Jahre sind, in denen Wogatzkis Roman »Romanze mit Amélie« spielt, ist seine Sprache leicht und beschwingt, klingt immer wieder ein hintergründiger Humor durch.

Dieser hintergründige Humor steigerte sich zehn Jahre später in seinem Roman »Ein goldener Schweif am Horizont von Thumbach« zu einer wahren Schelmerei und Münch­hau­si­a­de.

Als Satti, der eigentlich Jürgen-Wolfgang Satrapichanowski heißt, was aber viel zu lang und erst nach längerem Buchstabieren zu schreiben ist, nach Thumbach kommt, ist es mit der Ruhe vorbei. Satti erzählt Geschichten, nein, Wahrheiten – oder das, was er als Wahrheiten ausgibt und von den Thumbachern allzu gerne als Wahrheit geglaubt wird. Doch dann erkrankt Sattis Oma lebensgefährlich – und niemand will Satti glauben. Dass alles einen glücklichen Ausgang nimmt, so viel sei hier verraten – und dass in Thumbach wieder der Alltag Einzug hält.

1987 erstmals erschienen, wurde der Roman 1989 unter dem absolut nichtssagenden und phantasielosen Titel »Satti« neu aufgelegt.


Nach dem Ende der DDR schreibt Wogatzki vor allem Drehbücher, bevor er 2007 seinen nächsten Roman veröffentlicht: »Flieh mit dem Löwen«.

In der großen Stadt Babelin geschieht etwas Seltsames: Ein Unbekannter bringt reihenweise Menschen mit einer Plastikschlinge um. Doch die Opfer sind nicht irgendwer, sondern stadtbekannte Mafiosi, Bankräuber, Erpresser und Kinderschänder. Dazwischen agieren Kriminalhauptkommissar Bendix, der halbblinde Profikiller Kompotti und das ein dunkles Geheimnis umgebende Mädchen Lena.

Auch dieser Roman besticht durch gelungenen Wortwitz und hintergründige Ironie, dazu kommen noch Elemente von Thriller und Krimi.

1932 in Berlin geboren, in der DDR mit dem Nationalpreis, dem Lessing-Preis und der Johannes-R.-Becher-Medaille ausgezeichnet, von 1969 bis 1991 Mitglied der Akademie der Künste der DDR und von 1979 bis zu seiner Auflösung 1990 Mitglied des Vorstandes des Schriftstellerverbandes der DDR, ist Benito Wogatzki am 25. Juli im Alter von 83 Jahren gestorben.

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