Menschen zu Spreu erklärt

Gerade im öffentlich-rechtlichen RBB Inforadio gehört: Die große Koalition hat eine Asylrechtsreform beschlossen und will bei der Aufnahme von Flüchtlingen zukünftig, so die Moderatorin, »zwischen Spreu und Weizen« unterscheiden.

Nun mag der Duden zwar nicht die letzte Instanz sein, aber an seiner Definition für Spreu dürfte sich nur schwer rütteln lassen: »aus Grannen, Hülsen, Spelzen u. Ä. bestehender Abfall des Getreides, der beim Dreschen anfällt«. In übertragener Bedeutung heiße das, »zur Spreu gehören (zu den vielen unbedeutenden Menschen gehören)«.

Vermutlich würde sich der für diese Formulierung verantwortliche Redakteur (oder auch die Redakteurin) damit herauszureden versuchen, dass dieses ein uraltes und harmloses Sprichwort sei und überhaupt nichts mit der eigenen Gesinnung zu tun habe. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Formulierung aus dem Matthäusevangelium: »[…] er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.«

Alt ist der Spruch also wirklich, aber harmlos?

Wer Menschen zu Spreu erklärt, darf sich nicht wundern, wenn Andere Taten folgen lassen und Flüchtlingsunterkünfte in Brand stecken. Der Handgranatenangriff auf das Flüchtlingsheim im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen ist nichts anderes als die konsequente Umsetzung, was andere verbal vorbereiten.

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