Literaturnobelpreis an Swetlana Alexijewitsch für »guten Journalismus« und Annäherung an den Westen

Kaum hatte die Schwedische Akademie die Verleihung des Literaturnobelpreises 2015 an Swetlana Alexijewitsch bekanntgegeben, schon gratulierte ihr der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko. Voll des Lobes zeigte sich ebenfalls das belorussische Außenministerium, das ihre Auszeichnung als einen »Meilenstein der Herausbildung der belorussischen Nation und ihres souveränen Staates« feierte.

Dass Alexijewitsch nie ein Parteigänger von Lukaschenko war, sondern sich noch zu Sowjetzeiten der westlich orientierten Opposition anschloss, scheint für das gegenwärtige Regime kein Problem zu sein. Umgekehrt hat es ihr aber ganz offensichtlich auch nicht bei der belorussischen Opposition und im antirussischen Westen geschadet, dass sie in Russisch schreibt, weil sie die belorussische Sprache für »bäurisch und literarisch unreif« hält, wie sie gegenüber der FAZ geäußert haben soll.

So sind sich der Westen, das Lukaschenko-Regime und die belorussische Opposition einig, dass mit Alexijewitsch eine Autorin ausgezeichnet wurde, die für eine Annäherung zwischen Weißrussland und dem Westen steht.

Dass mit dem Literaturnobelpreis eigentlich literarische Spitzenleistungen ausgezeichnet werden sollen – wen interessiert das noch, wenn es um handfeste Politik geht?

Zu den wenigen kritischen Stimmen gehört die Feuilleton-Chefin der Zeit, Iris Radisch. Gegenüber der Nachrichtenagentur lehnte sie die Preisverleihung an Alexijewitsch mit der Begründung ab, dass diese keine Literatur, sondern journalistische Texte verfasse. Dass Alexijewitsch einen »sehr guten Journalismus« betreibt, will Radisch nicht bestreiten. Mit dem Literaturnobelpreis sollten jedoch, wie es der Name sagt, literarische Leistungen ausgezeichnet werden.

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