Gabriele Senfts Portraits von DDR-Schriftstellern im Dialog mit dem Betrachter

Namen wie wie Ingeborg Arlt, Horst Bastian, Joachim Nowotny, Eberhard Panitz, Rosemarie Schuder, Hedda Zinner, Gerhard Branstner, Harald Hauser, Martin Stade oder E. R. Greulich dürften im Westen Deutschlands den wenigsten geläufig sein, andere wie Volker Braun, Franz Fühmann, Günter de Bruyn, Hermann Kant, Irmtraud Morgner, Heiner Müller, Erik Neutsch, Herbert Otto, Eva und Erwin Strittmatter, Christa Wolf, Jurek Becker, Christoph Hein oder Stefan Heym haben dagegen über die Grenze der DDR hinaus ihre Leser gefunden.

»Dialog. Schriftsteller der DDR« heißt ein Bildband, der diese und viele weitere Autorinnen und Autoren aus der vergangenen DDR vorstellt. Fotografiert hat sie Gabriele Senft. Selten habe ich derart lebendige, nachdenkliche, herzerfrischende Portraits gesehen. Die von Gabriele Senft portraitierten Schriftstellerinnen und Schriftsteller scheinen mit dem Betrachter der Bilder zu sprechen, ihn zu sich heranzuziehen.

»Vielleicht hat es eine DDR-Literatur tatsächlich nicht gegeben, geblieben aber ist aus den 44 ostdeutschen Nachkriegsjahren ein unverwechselbarer, poetischer, in seiner Vielfalt leuchtender, auf das Weiterkommen der Menschen in schweren Zeiten gerichteter Teil unserer glanzvollen, von der literarischen Gestaltung der großen Zeitwidersprüche gekennzeichnete deutsche Nationalliteratur. Unsere Zukunft wird gewiss nicht leicht. Ob die Literatur und ihre Schöpferinnen und Schöpfer es schaffen, ihr gerecht zu werden?«, schreibt der Buchautor und langjährige Lektor des Aufbauverlages, Günther Drommer.

»Die Seiten dieses Buches werden bei manchem ein Gefühl der Wehmut hervorrufen«, schreibt Gabriele Senft in der Einleitung zu dem Bildband, »denn dem Anspruch aus der Kinderhymne Brechts von 1950 wurden die, die sich erinnern, die DDR gestaltenden Generationen, nicht gerecht. Wir haben es vergeigt aus objektiven, mehr noch aus subjektiven Gründen.

Dennoch hoffe ich, mit diesem Bildband andere Emotionen und Kräfte zu wecken und es nicht dabei zu belassen, sich resigniert abzufinden – ich wünsche, dass ich helfen kann, ohne Reue auf unser gelebtes Leben zu blicken, von antifaschistischer Grundhaltung, von ehrlichem Willen geprägt, den Faschismus auch in allen Köpfen zu besiegen und gesellschaftliche Bedingungen für einen dauerhaften Frieden zu schaffen.«

Das widerspiegelt sich auch bereits in der Auswahl des Bildes, mit dem der Bildteil beginnt: einem Blick auf den Buchbasar auf dem Berliner Bebelplatz 1983 unter einem großen Banner mit dem Basarmotto »Dem Frieden das Wort und die Tat«. Und es setzt sich im weiteren fort, wenn Jurij Brezan und Christa Wolf 1981 beim Meinungsaustausch auf der »Berliner Begegnung zur Friedensförderung« zu sehen sind oder Franz Fühmann, Alfred Wellm, Volker Braun und Erich Fried im Gespräch vertieft auf der gleichen Tagung. Oder, ebenfalls im Gespräch vertieft, Heiner Müller und Walter Höllerer 1987 auf der Veranstaltung »Berlin – ein Ort für den Frieden« und Günter Görlich 1983 im Gespräch mit Arbeitern auf einem Friedensmeeting im Kabelwerk Oberspree.

Dass mit »Dialog. Schriftsteller der DDR« inzwischen der dritte Bildband von Gabriele Senft vorliegt, ist dem Verlag Wiljo Heinen zu verdanken, der 2013 bereits den inzwischen vergriffenen Band »Gesicht zeigen« und 2014 ihre Dokumentation »Target. Die Brücke von Varvarin« veröffentlichte.

Eine Auswahl der Bilder ist noch bis zum 16. November 2015 in der Ladengalerie der Jungen Welt zu sehen.

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