Etwas ganz Neues und Einzigartiges, noch nie Dagewesenes wollten sie erschaffen

Manchmal ärgere ich mich, fast nichts aus der Anfangszeit des Book on Demand archiviert zu haben. Immerhin kann ich mich noch gut entsinnen, wie damals angehende Autorinnen und Autoren jubelten, endlich nicht mehr von Verlagen abhängig zu sein, sondern ganz Neues und Einzigartiges, noch nie Dagewesenes veröffentlichen zu können.

Seitdem warte ich. Vielleicht suche ich nur nicht richtig, vielleicht kenne ich die falschen Menschen, bin in den verkehrten Foren und Gruppen, aber dieses Einzigartige, noch nie Dagewesene habe ich bis heute nicht entdecken können. Stattdessen finde ich die 87362. Romanze, den 103634. Thriller, die 91946. Erotik-Schmonzette. Die Leseproben offenbaren die Austauschbarkeit der Inhalte, erschrecken mit einem mittleren Erzählton, künden von der Abwesenheit jeglichen typographischen Gestaltungswillens.

Was ist aus ihm geworden, aus dem so enthusiastisch angekündigtem Neuen, Genialen, alles bisher geschriebene als langweilige Überbleibsel einer verlagsbestimmten Literatur erscheinen lassende? Heute höre ich von Autorinnen und Autoren, sie wollten ihre Leserinnen und Leser nicht überfordern, müssten im Interesse ihrer Leserinnen und Leser auf komplizierte Satzkonstruktionen und ungewohnt klingende Worte verzichten, müssten auf bewährte Handlungsgerüste setzen und an bestimmte Genres geknüpfte Erwartungen erfüllen.

Nun erwarte ich natürlich keinen neuen Arno Schmidt, Laurence Sterne, Georges Perec, Hugo Ball, Christian Morgenstern oder Karel Teige. Aber muss der Anspruch, etwas Neues und Einzigartiges, noch nie Dagewesenes zu schaffen, deshalb gleich ganz aufgegeben werden? Ein wenig mehr Experimentierfreude und Offenheit für neue Ideen dürften es doch sein.

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