»Da müssen wir uns entscheiden: Wollen wir kein DRM, dürfen wir Wiederverkauf nicht zulassen«

Wer E-Books kauft und sie aus dem Internet herunterlädt, darf diese nicht weiterverkaufen. Zu dieser Entscheidung ist jedenfalls das Hanseatische Oberlandesgerichts in einer Entscheidung vom 24. März 2015 gekommen, die jetzt veröffentlicht wurde.

Für den Börsenverein des deutschen Buchhandels und die Verlage ist das erwartungsgemäß ein Grund zum Jubeln. Ganz anders sehen es verständlicherweise viele Käufer und Leser von E-Books. Als Leser möchten sie möglichst billig an neue Lektüre kommen, als Käufer ihre E-Books genauso wie gedruckte Bücher später möglichst gewinnbringend wieder verkaufen können.

Der entscheidende Unterschied zwischen E-Books und gedruckten Büchern ist allerdings, dass sich ein E-Book, das nicht kopiergeschützt ist, in unbegrenzter Zahl weiterverkaufen lässt, während ein Buch vom jeweiligen Besitzer nur ein einziges Mal weiterverkauft werden kann. Im Gegensatz zu gedruckten Büchern können E-Books unendlich oft vervielfältigt und weitergegeben werden, ohne sich jemals abzunutzen.

Vergleichbare Urteile hatte es 2014 auch bereits vom Oberlandesgericht Hamm und 2011 vom Oberlandesgericht Stuttgart gegeben. In allen drei Fällen hatte die Verbraucherzentrale Bundesverband geklagt, für die die Interessen der Urheber hinter denen der Verbraucher zurückzustehen haben. Ihre Hoffnung ruht jetzt beim Europäischen Gerichtshof, der von einem niederländischen Gericht angerufen wurde, über die Vereinbarkeit von Verkäufen »gebrauchter« E-Books mit dem europäischen Urheberrecht zu entscheiden.

Worum es bei diesen Auseinandersetzungen letztlich geht, hat der Verleger und Verlagsdienstleister Peter R. Hellinger in einem Kommentar auf Facebook auf den Punkt: »Eines muss auch klar sein: Wenn es einen Wiederverkaufsmarkt für E-Books geben sollte, wird jedes E-Book mit einer Art DRM ausgerüstet werden müssen, da sonst nicht gewährleistet werden kann, dass der Verkäufer tatsächlich auch nur 1 Stück verkauft, wie er das mit einem Buch tun könnte. Da müssen wir uns entscheiden: Wollen wir kein DRM, dürfen wir Wiederverkauf nicht zulassen.«

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Eine Antwort auf »Da müssen wir uns entscheiden: Wollen wir kein DRM, dürfen wir Wiederverkauf nicht zulassen«

  1. Peter Zenker sagt:

    Ich bin zwar kein Autor sondern Fotograf, aber E-Book Leser. Ein einmal gekauftes E-Book mehrfach weiter zu verkaufen mag ja eine nette Geschaeftsidee sein, ist aber voellig neben meinem Rechtsgefuehl. Wie kann man nur mit so einem Unsinn die Gerichte beschaefftigen? Ich habe keine negativen Erfahrungen mit DRM.