Das Wort: eine der spannendsten deutschen Literaturzeitschriften

Eigentlich wollte ich nur die drei Essays nachlesen, die 1938 in der literarischen Monatsschrift Das Wort zur Sprache im NS-Staat erschienen sind, doch dann entpuppte sich der 1968 in der DDR veröffentlichte fotomechanische Nachdruck als wahre Fundgrube, die mich zunehmend in ihren Bann zog.

Vor allem hat mich begeistert, wie unter den schwierigen Bedingungen des Exils vom Juli 1936 bis März 1939 allmonatlich in Moskau eine deutschsprachige Literaturzeitschrift erscheinen konnte, die gefüllt war mit zeitgenössischer Prosa und Lyrik, mit Essays zu aktuellen literatur- und sprachwissenschaftlichen Themen, mit Buchkritiken, mit Kurzberichten zum literarischen Geschehen sowie einer Übersicht über die aktuelle antifaschistische Publizistik.

Eine ähnlich schwergewichtige Literaturzeitschrift wünschte ich mir auch heute.

Besonders fiel mir neben den Essays von Hans Jacob (»An ihrer Sprache sollt ihr sie erkennen«), Bruno Frei (»Braune Presse«) und Balder Olden (»Schriftsteller Goebbels«) ein Beitrag von Rudolf Leonhard zum Thema »Die Krise des Buches« auf. Damals waren es allerdings nicht das Fernsehen, das Internet oder das E-Book, sondern der Film und das Radio, die manche Zeitgenossen als Bedrohung für das Buch ansahen.

Leider sind die Artikel der Zeitschrift Das Wort seit längerem nur mit einigen Mühen über Bibliotheken zugänglich. Genauso wie andere Exilzeitschriften ist sie zwar seit Langem digitalisiert, doch wagt die Deutsche Nationalbibliothek sie nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, weil vielfach die Rechteinhaber unbekannt sind.

Obwohl das Problem der sogenannten verwaisten Werke bereits seit Jahren in der Politik diskutiert wird, zeichnet sich jedoch noch immer keine Lösung ab. Eine der spannendsten deutschen Literaturzeitschriften bleibt damit weiterhin für die Öffentlichkeit nur sehr eingeschränkt zugänglich.

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