Mit seinem »Braunbuch« über Kriegs- und Naziverbrecher in der BRD leistete Norbert Podewin Pionierarbeit

Den Namen »Norbert Podewin« dürften zumindest im westlichen Deutschland nur wenige kennen, etwas anders dürfte es sich dagegen mit dem »Braunbuch – Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik: Staat, Wirtschaft, Verwaltung, Armee, Justiz, Wissenschaft« verhalten.

Als das Buch im Sommer 1965 in der DDR erschien, wurde es in der BRD umgehend als »kommunistisches Propagandawerk« und »Fälschung« zurückgewiesen. Auf die Vorwürfe brauche deshalb nicht weiter eingegangen werden. Insgesamt wurden in dem Braunbuch 1800 Namen genannt, darunter die von 15 Ministern und Staatssekretären, 100 Generälen und Admirälen der Bundeswehr, 828 Richtern, Staatsanwälten und hohen Justizbeamten, 245 leitenden Beamten des Auswärtigen Amtes und 297 hohen Polizeiangehörigen und Mitarbeitern der Verfassungsschutzbehörden.

Den meisten im Braunbuch genannten Nazi- und Kriegsverbrecher hat die Veröffentlichung nicht geschadet, sondern im Gegenteil eher genützt. Immerhin bescheinigte ihnen der politische Gegner, dass sie immer auf der anderen Seite gestanden haben.

Dass es 1967 auf der Frankfurter Buchmesse beschlagnahmt wurde, hatte es allerdings nur einem übereifrigen Amtsrichter zu verdanken, denn die Staatsanwaltschaft zeigte – vermutlich in Abstimmung mit Bundespräsident Heinrich Lübke – kein Interesse, dem Braunbuch durch eine Beschlagnahme noch zusätzliche Publizität zu verschaffen.

Zu verdanken ist die umfassende Bestandsaufnahme altbrauner Traditionen in der BRD vor allem den umfangreichen und peniblen Recherchen des Historikers Podewin. Ursprünglich gelernter Mechaniker und später Redakteur einer Betriebszeitung, studierte er von 1961 bis 1965 an der Humboldt-Universität Geschichte. Nahezu zeitgleich mit seinem Studienabschluss, dem später noch die Promotion folgte, erfolgte die Veröffentlichung des von ihm verantworteten Braunbuchs. Offiziell als Herausgeber genannt wurde er allerdings erst in dem 2002 erschienenen Reprint.

Der Historiker und Journalist Götz Aly, bekannt unter anderem durch »Hitlers Volksstaat« und »Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945«, schrieb anlässlich dieses Reprints in einer Rezension für die Süddeutsche Zeitung, zwar habe es sich tatsächlich um ein »Agitprop-Buch« gehandelt, doch seine »Irrtumsquote lag deutlich unter einem Prozent«. Gegen das Braunbuch einwenden könne man nur, »dass es zu wenige Namen nannte«.

Am 10. Juli 2014 ist Norbert Podewin im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben.

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