Die seltsame Pro-Plagiat-Koalition von Annette Schavan und einer Zeit-Autorin

Abschreiben sei in den achtziger Jahren ganz selbstverständlich gewesen – meint Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Und weil das damals üblich gewesen sei, dürfe ihr auch nicht der Doktortitel entzogen werden. Gerettet hat sie diese kühne Konstruktion allerdings nicht: Ihr Doktortitel ist futsch. Die Aberkennung durch die Universität Düsseldorf sei rechtlich nicht zu beanstanden, hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht am 20. März 2014 entschieden. Noch bleibt Schavan allerdings der Gang vor das Oberverwaltungsgericht Münster und gegebenenfalls sogar vor das Bundesverwaltungsricht.

In einem hat die ertappte Plagiatorin allerdings Recht: Plagiate waren zu ihrer Studienzeit vor dreißig Jahren sehr viel schwerer zu entdecken. Computer und Internet machen nicht nur das Plagieren leichter, sondern ebenso das Aufdecken von Plagiaten. Abschreiben ohne Nennung der Quelle war schon immer verboten.

Wirklich dreist wirkt Schavans Versuch der Selbstverteidigung allerdings vor dem Hintergrund, dass die Universität Düsseldorf 1978 eine 32-seitige Handreichung mit dem Titel »Hinweise zur Anfertigung von Seminararbeiten« veröffentlichte, für die Schavans Doktorvater Professor Gerhard Wehle als Herausgeber fungierte und in der unmissverständlich gefordert wurde, dass »alle wörtlichen und sinngemäßen Entlehnungen aus fremden Texten kenntlich zu machen« sind.

Zu den Wenigen, die für Schavans Art des wissenschaftlichen Schreiben volles Verständnis aufbringen und in der Aberkennung des Doktortitels eine schwere Niederlage für die Wissenschaft in Deutschland erkennen, gehört Marion Schmidt in der Zeit. Der 20. März 2014 sei »[e]in guter Tag für die Fußnotenzähler«. Das Urteil möge zwar die Plagiatsjäger befriedigen, der Wissenschaft aber habe das Gericht einen »Bärendienst« erwiesen, weil die Universitäten zukünftig mit »Plagiatoren wie Freiwild umgehen können«.

Darüber, was eine Zeitung wie die Zeit dazu verleitet, derart prononciert das Plagieren zu verteidigen, lässt sich nur spekulieren. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass die übergroße Mehrheit der angehenden Akademiker nicht dem Jungakademikerbild entspricht, dem offenbar Schmidt anhängt. Sonst wäre es um die Zukunft der Wissenschaft in Deutschland tatsächlich traurig bestellt.

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Eine Antwort auf Die seltsame Pro-Plagiat-Koalition von Annette Schavan und einer Zeit-Autorin

  1. Odotte Kratzfuß sagt:

    Ich habe gerade bei Grimms Märchen “Hänsel und Gretel” abgeschrieben, habe die Wörter ein wenig umgestellt, um das Plagiat zu verschleiern und reiche das Ganze demnächst an der Uni München ein, wo ich mich vom Hochschulrat der LMU zum “Dr. plag.” promovieren lassen will. Oder sollte damit ich besser nach Lübeck gehen?

    Ich finde, diese meine Leistung kann nicht hoch genug bewertet werden; der deutsche Wissenschaftspreis wäre das Mindeste, was mir zustehen müsste. Nun fehlt mir nur noch Frau Prof. Dr. Annette Schavan, die mir die Exzellenz-Urkunde übereicht. Sie hat es js aelber hinter sich gebracht und muss wissen, welch hervorrtagende Leistung ich im Sinne der Wissenschaft erbracht habe.
    Und: wer nicht bei Grimms Märchen Hänsel und Gretel abschreiben kann, der darf auch nicht deutscher Außenminister oder gar Vatikanbotschafter/in werden.

    Wir sind alle exzellent, aber keine Exzellenzen……