»Endlich mal was Positives«: ein Lebensbericht, der aufklärt und Mut macht

Positiv denken – für Matthias Gerschwitz ist das eine oder sogar die zentrale Prämisse seines Lebens. Gegen das Schicksal, auch höhere Gewalt genannt, seien wir Menschen zwar machtlos, aber was wir aus unserem Schicksal machten, das liege in der Hand eines jeden einzelnen.

Als Matthias Gerschwitz 1994 erfährt, dass er HIV-positiv ist, bildet er keine Ausnahme: Eine Welt bricht zusammen. »Hemmungslos heulte ich in meine vor dem Kopf verschränkten Arme«, bekennt er ganz offen. Ein Jahr brauchte er, bis er seine Erkrankung als unveränderliche Tatsache akzeptiert hatte.

Seine positive Einstellung zum Leben half ihm, sich sein Leben nicht von der Krankheit diktieren zu lassen. Einerseits nimmt er sie ausreichend wichtig, um regelmäßig seine Medikamente einzunehmen und seinen Lebenswandel – wenn auch manchmal erst nach einigen Irrungen und Wirrungen – den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, andererseits nimmt er sie aber auch nicht so wichtig, dass sie ihm keine Zeit mehr zum Leben lässt.

Seine Erkrankung, sagt Matthias Gerschwitz selber, habe dazu geführt, dass sich besonders seine Einstellung zur Sexualität grundlegend verändert hat. So locker und humorvoll er über sein Leben mit HIV erzählt, wenn er über Homosexuelle schreibt, die noch immer auf Safer Sex verzichten und manchmal sogar stolz auf diesen Verzicht sind, oder über Heterosexuelle, die HIV und AIDS zu einem Problem alleine von Schwulen erklären, verliert er jeden Humor. Vor einer Ansteckung sei kein Mensch sicher, der nicht in dauerhafter Askese lebe. Jeder fünfte HIV-positive oder AIDS-kranke Mensch, so die Statistik, sei ein Heterosexueller.

Dass Matthias Gerschwitz einen leicht flapsigen Schreibstil pflegt, erleichtert den Zugang zum Buch. Dass ich nicht jeden seiner Gedankengänge teilen mag – kommt es darauf wirklich an?

Was ich bewundere, sind seine Lebenseinstellung und sein Mut, sich zu bekennen. Und sein Engagement gegen einen unverantwortlichen Leichtsinn, der in Deutschland nicht nur jedes Jahr 3000 HIV-Neuinfektionen zur Folge hat, sondern ebenso verantwortlich ist für das Wiederzunehmen einst gefürchteter Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhoe.

Es gibt zwar viele Bücher zu HIV und AIDS, aber nur wenige, die einen direkten Einblick in das Leben mit dem Virus geben. »Endlich mal was Positives: Offensiv & optimistisch: Mein Umgang mit HIV« von Matthias Gerschwitz gehört nicht nur zu den wenigen, sondern macht zudem auch noch Spaß zu lesen.

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