Bin ich fortschrittlich, wenn ich lieber E-Books als gedruckte Bücher lese?

Ich lese lieber gedruckte Bücher als E-Books – also bin ich konservativ. Oder? Ich will partout nicht ins Auto steigen, um die fünfhundert Meter zum Bäcker zu fahren, sondern gehe stattdessen zu Fuß – also bin ich konservativ?

Die Mehrheit der Deutschen sei konservativ, weil sie weiterhin gedruckte Bücher bevorzuge, wird zumindest auch die jüngste Studie von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, wieder einmal von vielen E-Book-Apologeten kommentiert.

Natürlich kann man es sich so einfach machen. Und dass es manche aus der Branche auf diese Weise vereinfachen, ist vielleicht auch verständlich: Wer auf das Geschäftsmodell E-Book setzt, kann vermutlich kaum anders, als alles als konservativ abzulehnen, was diesem Geschäftsmodell zuwiderläuft.

Aus diesem Blickwinkel ist dann selbstverständlich jeder Mensch konservativ, der nicht begeistert lieber zu E-Books als zu gedruckten Büchern greift, der lieber zu Fuß geht als mit dem Auto zu fahren, der seine Lebensmittel lieber beim Kleinproduzenten als von industriellen Großproduzenten kauft.

Nun habe ich nichts gegen E-Books, und das nicht nur, weil ich selbst seit Jahren für Kunden E-Books gestalte. Aber bin ich deshalb fortschrittlich? Oder bin ich fortschrittlich, weil ich selbst auch E-Books lese?

Was mich stört, ist diese Etikettierung, dieses Einsortieren in Schubfächern, ist der völlige Verzicht auf Inhalte als Bewertungsmaßstab. Warum reicht es nicht, Marktentwicklungen zu beobachten und gegebenenfalls aus ihnen auch Schlussfolgerungen für die Branche oder bestimmte Geschäftsmodelle zu ziehen?

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