Erinnern an die Bücherverbrennung vor 80 Jahren reicht nicht

Die Verfolgung Hunderter Autorinnen und Autoren sowie die öffentliche Vernichtung ihrer Werke seien Teil eines Zivilisationsbruchs gewesen, der bis heute in Kultur und Wissenschaft nachwirke, resümierte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert auf einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung. Und er forderte, aus der Geschichte Lehren zu ziehen.

In 22 deutschen Hochschulstädten verbrannten die Nazis am Abend des 10. Mai 1933 die Bücher von über 300 Schriftstellern, darunter die Werke von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Heinrich und Klaus Mann, Erich Maria Remarque, Heinrich Heine, Frank Wedekind, Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht, Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Joachim Ringelnatz und Lion Feuchtwanger. Alleine in Berlin flogen unter dem frenetischen Beifall von 70.000 Zuschauern mehr als 20.000 Bücher von 94 Autoren in die Flammen. Weitere Bücherverbrennungen folgten in den kommenden Wochen noch in mehr als 60 Städten.

Ausgegangen war die Idee zur »Aktion wider den undeutschen Geist« jedoch weder von Adolf Hitler noch von Propagandaminister Joseph Goebbels oder einem anderen führenden Kopf der Nazis, sondern von der Deutschen Studentenschaft als dem Zusammenschluss der Allgemeinen Studentenausschüsse aller Hochschulen in Deutschland und Österreich. Es war die sogenannte intellektuelle Elite oder was die intellektuelle Elite Deutschlands werden wollte, die sich diesen Akt der kulturellen Barbarei ausgedacht hatte.

Dass sich die übergroße Mehrheit der Studenten und Professoren ihr ohne jeden Widerstand beugen würde, überraschte selbst die Nazigrößen. So übernahm es Goebbels auch erst in nahezu letzter Minute, als an einem Erfolg nicht mehr zu zweifeln war, die Feuerrede auf dem Berliner Opernplatz zu halten.

Heute an die Bücherverbrennung der Nazis zu erinnern, ist wichtig, mindestens ebenso wichtig wäre aber, an die Mitschuld der schweigenden Mehrheit zu erinnern und mehr noch sich endlich intensiver um das Werk der vergessenen Autoren zu kümmern. Oskar Baum, Paul Kornfeld, Emil Ludwig, René Schickele, Jakob Wassermann, Alexander Moritz Frey, Claire und Ivan Goll, Maria Leitner, Armin T. Wegner, Max Brod, Felix Salten, Hermann Essig, Hans Sochaczewer, Alex Wedding, Ernst Toller und viele andere Autorinnen und Autoren wurden nicht einfach vergessen, sondern sie wurden vergessen gemacht.

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