Mit Qindie zu mehr Qualtität von selbst verlegten Büchern?

Dass Qindie, das neue Qualitätssiegel für Independent-Literatur, bei vielen book on demand veröffentlichenden Autorinnen und Autoren auf Gegenwind stoßen würde, dürfte seine Initiatoren kaum überrascht haben. Immerhin verfügen Nikola Hotel, Katelyn Faith, Susanne Gerdom, Ruprecht Frieling, Inka Loreen Minden, Birgit Kluger, Melanie Hinz, Stefanie Maucher und die meisten anderen über reiche Erfahrung im Geschäft mit der Literatur.

Bücher seien immer Geschmackssache und entzögen sich damit jeglicher Bewertung, sagen die einen Gegner, andere lehnen Bewertungen ab, weil sie die Leser beeinflussen könnten. Wieder Andere wollen lediglich Autoren dieses Recht absprechen und Bewertungen alleine den Lesern überlassen – jedenfalls solange sie keine negativen Bewertungen bei Amazon hinterlassen. Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik würden völlig überbewertet, sagen die einen, entscheidend sei alleine die Geschichte, assistieren andere. Leseproben seien völlig ausreichend, ist zu lesen, und dass der Markt schon alles selbst regeln werde.

Nun kann und darf selbstverständlich über alle diese Punkte diskutiert werden, erschreckend ist allerdings der Hass, der den Initiatoren von Seiten einiger Gegner – Kritiker mag ich sie nicht mehr nennen – entgegenschlägt.

Tatsächlich überrascht hat mich diese zum Teil schon hasserfüllte Ablehnung allerdings nicht. Als ich vor einigen Jahren im damals noch nicht zu Books on Demand gehörenden Autorenpool ein Qualitätssiegel ins Gespräch brachte, hagelte es ebenfalls wütende Reaktionen. Immerhin scheint seit damals das Problembewusstsein gewachsen zu sein. Während im Autorenpool keine Handvoll Autorinnen und Autoren der Idee aufgeschlossen begegnete, erfährt Qindie heute eine sehr viel positive Resonanz.

Trotzdem bleibt aktuell, was ich 2009 in meinem Blog schrieb:

Denkbar wäre die Schaffung genre-spezifischer Label oder Editionen, in die nur Bücher aufgenommen werden, die bestimmten Qualitätsansprüchen gerecht werden. Erste zaghafte Diskussionen ließen jedoch bereits erkennen, dass die Tücke im Detail steckt. Mindestanforderungen an Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Typographie lassen sich noch vergleichsweise leicht formulieren.

Aber: Was unterscheidet zum Beispiel einen sprachlich guten von einem sprachlich schlechten Roman? Welches Sachbuch ist fachlich fundiert und welches täuscht Kompetenz nur vor? Was macht einen Text zu einem Gedicht? Und: Wer entscheidet, ob ein Buch in die Edition aufgenommen wird oder sich mit dem Label schmücken darf?

Noch steht die Qualitätsdiskussion unter den book on demand veröffentlichenden Autoren erst ganz am Anfang, gibt es mehr offene Fragen als Antworten.

Ob Qindie den Erfolg haben wird, den sich die Initiatoren erhoffen, muss sich erst noch herausstellen. Aber die Diskussion ist wieder eröffnet.

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Eine Antwort auf Mit Qindie zu mehr Qualtität von selbst verlegten Büchern?

  1. Bob Fray sagt:

    Ich betrachte Qindie mit gemischten Gefühlen. Meiner Meinung nach ist das Konzept mehr als sinnvoll: Qualitätssicherung für Indiebücher.

    Was ich allerdings als Nachteil empfinde ist eine mögliche Entwicklung, eine Art Eigendynamik.
    Sollte sich Qindie etablieren, ist es dann noch Independent-Publishing? Wie unterscheidet der Leser hier? Der Verlag prüft die Bücher, Qindie prüft die Bücher. Aber Qindie ist kein Verlag. “Das Buch hat kein Qindiesiegel, das Buch kauf ich nicht!”, könnte zur Regel werden.
    Die Chancengleichheit ist dahin.

    Independent heißt verlagsfrei. Aber übernimmt Qindie dann nicht die Verlagsrolle für Indiebücher, in diesem Fall durch die Qualitätssicherung?
    Ich weiß, dass so eine Entwicklung weder Ziel, noch Sinn von Qindie sind.

    Ich selbst finde das Konzept gut. aber ich kann auch die Gegner verstehen. Sofern diese über solides Handwerk verfügen und schlicht nicht von einem “Q” auf dem Cover als Garant für Qualität abhängig sein wollen, das ihre Verkäufe beeinflussen kann.
    Qualität ist das wichtigste Kriterium auf dem Buchmarkt. Und Qindie will Qualität sichtbar machen.

    Ich glaube an Qindie, und bin auf die weitere Entwicklung gespannt.