Mit Stephan Waldscheidts »Autors kleiner Helfer« gegen Schreibblockaden und Selbstzweifel

Gerade Autorinnen und Autoren, die nur in ihrer Freizeit schreiben oder noch ganz am Anfang ihrer schriftstellerischen Karriere stehen, haben häufig mit Problemen wie fehlender Zeit zum Schreiben, Selbstzweifeln und Schreibblockaden zu kämpfen. Vor allem, aber nicht nur für sie hat der Schriftsteller und Autoren-Coach Stephan Waldscheidt in seinem E-Book »Autors kleiner Helfer« eine Reihe von Problemlösungsvorschlägen zusammengestellt.

»Keine Zeit« dürfte eine der häufigsten Entschuldigungen sein, warum Bücher ungeschrieben bleiben. Die Idee geistert seit langem im Kopf herum, aber sie aufzuschreiben fehlt die Zeit. Weil es heute besonders ungünstig ist, wird der Beginn auf morgen verschoben. Doch am nächsten Tag sieht es nicht besser aus. Etwas auf morgen zu verschieben, resümiert Waldscheidt, bringe deshalb nichts.

Zeit zum Schreiben gewinnen durch Planung und Schwerpunktsetzungen

Zusätzliche Zeit zaubern kann natürlich auch er nicht. Sein Vorschlag ist deshalb, den Tag überlegter zu strukturieren und andere Schwerpunkte zu setzen. Was ist mir sehr wichtig, was wichtig, was weniger wichtig, worauf kann ich verzichten? Anhand dieses Überblicks, so Waldscheidt, lasse sich Zeit sehr viel leichter freischaufeln. Damit es nicht beim guten Vorsatz bleibt, sollten die Zeiten zum Schreiben auch gleich im Terminkalender eingetragen werden.

Dabei darf und muss Schreiben als Synonym für viele weitere Tätigkeiten stehen. Diese reichen von notwendigen Recherchen und der Entwicklung eines tragfähigen Plots über Gespräche mit Testlesern und das Überarbeiten des Manuskriptes bis zum Schreiben eines Exposés und zur Agentur- oder Verlagssuche. Nicht alle diese Schritte müssen nacheinander erfolgen, vieles lässt sich auch parallel erledigen. Ist die Zeit zum eigentlichen Schreiben zu kurz, reicht sie vielleicht für weitere Recherchen, für das Schreiben projektbezogener Briefe und Mails oder für das Korrekturlesen bereits geschriebener Kapitel.

Versuchen manche Autorinnen und Autoren ganz ohne Recherchen auszukommen, können andere sich in sie regelrecht verrennen. Waldscheidt empfiehlt, nicht zu früh zu recherchieren. Je genauer man als Autorin oder Autor wisse, was man brauche, desto zielgerichteter und damit effektiver lasse sich recherchieren. Ebenso werde gerne zu viel recherchiert. Aber »ist das eine Recherchedetail, nach dem Sie Tage gesucht haben«, fragt Waldscheidt, wirklich »mehr wert als die drei besseren Ideen für den großen Twist im zweiten Akt des Romans, die Sie in derselben Zeit hatten?«

Bei vielen Autorinnen und Autoren eher auf wenig Gegenliebe dürfte Waldscheidts Plädoyer für ein planvolles Schreiben stoßen. Gerade wer neben dem Schreiben auch noch einem Brotberuf nachgehen müsse, profitiere von dieser Herangehensweise besonders. Wer aus dem Bauch heraus schreibe, verbrauche viel Zeit, um jedes Mal wieder in seinen Text hineinzukommen. Wer dagegen den Fortgang seiner Geschichte kenne, könne auch sehr kleine Zeitfenster zum Schreiben nutzen.

Ohne Selbstzweifel wird aus einem Autor kein guter Autor

Ausführlich setzt sich Waldscheidt in »Autors kleiner Helfer« mit Selbstzweifeln auseinander. Im Gegensatz zu seiner Annahme, dass nahezu jede Autorin und jeder Autor irgendwann unter Selbstzweifeln leide, sprechen meine Erfahrungen aus dem Book-on-Demand-Bereich allerdings für eine genauso häufig anzutreffende Selbstüberschätzung. Misserfolge werden dann kurzerhand auf Lektoren, Verleger, Literaturagenten, Rezensenten und Leser zurückgeführt, die ihr Werk nur nicht zu würdigen wüssten. Allerdings dürften solche Autorinnen und Autoren auch nicht diesen Ratgeber lesen.

Für Waldscheidt gibt es keine Zweifel: »Ein Autor, der nie an sich selber zweifelt, ist keiner.« Wer seine Fähigkeiten immer als hundertprozentig einschätze, dem fehle von vorneherein jedes Interesse, die eigenen Texte zu hinterfragen und zu verbessern. Damit werde aus ihm aber nie ein guter Autor.

Wichtig sei, sorgfältig zwischen Selbstzweifel und Verzweifeln zu unterscheiden. Ein Grund zum Verzweifeln seien Selbstzweifel jedenfalls nicht. Am besten sei es, von vorneherein Durststrecken einzukalkulieren. Immerhin erstrecke sich das Schreiben eines Romans über ein bis zwei Jahre. Rückschläge und Pannen seien da unvermeidlich. Auch wer schon mehrere Bücher geschrieben und veröffentlicht habe, sei vor ihnen nicht gefeit, weil die Ansprüche an sich selbst wüchsen. Parallel dazu wüchsen aber auch die eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten.

Oft helfe es schon, bei Selbstzweifeln über genau diese Selbstzweifel zu schreiben. »Schreiben Sie sich die Zweifel vom Leib und von der Seele. Schreiben Sie über Ihre Zweifel«, empfiehlt Waldscheidt.

Auf Hilfe von außen sollten Autorinnen und Autoren dagegen nicht hoffen. Die Motivation und Disziplin, trotz allem dranzubleiben und weiterzuschreiben, könne nur aus ihnen selbst kommen. Am besten sei es, sich Ziele zu setzen, für deren Erreichen es dann auch eine Belohnung geben sollte, denn Erfolge müssten belohnt und gefeiert werden.

Nur durch Kritik lassen sich Fehler und Schwächen eines Textes ausmerzen

Ein für viele Autorinnen und Autoren wunder Punkt ist der Umgang mit Kritik. Vor allem Freizeit-Autorinnen und -Autoren wissen mit ihr häufig nicht umzugehen. Oft verstehen sie Kritik an ihren Texten als Kritik an ihnen persönlich. Wenn Testleser auf tatsächliche oder vermeintliche Fehler und Schwächen im Text hinwiesen, fühlten sie sich deshalb persönlich angegriffen.

Autorinnen und Autoren sollten Testleser vielmehr sogar auf eigene Schwächen hinweisen, rät Waldscheidt und nennt als Beispiel den Hang zu Kitsch und übertriebener Poesie. »Machen Sie den Testleser Ihres Vertrauens darauf aufmerksam. Er soll solche Stellen anstreichen, die ihm zu kitschig oder unpassend poetisch erscheinen.« Auf keinen Fall sollten sich Autorinnen und Autoren mit einfachen Antworten ihrer Testleser zufriedengeben: »Stellen Sie den Leuten die richtigen Fragen. Und geben Sie sich nicht mit vagen Aussagen zufrieden, sondern bohren Sie nach.«

Nichts geben sollten Autorinnen und dagegen auf die spätere Kritik von Rezensenten. Dieser Tipp gehört zu den wenigen, denen ich aus eigener Erfahrung nicht zustimmen mag. Natürlich dürfen Rezensionen nicht als der Weisheit letzter Schluss missverstanden werden, aber sie können doch wichtige Hinweise und Ideen für die Zukunft liefern. Dass »schlechte Kritiken letzten Endes« nichts anderes als »Dominanz- und Machtspielchen« seien, halte ich doch für eine sehr gewagte Behauptung.

Schreibblockaden können auch ihr Positives haben

Einen breiten Raum nimmt in »Autors kleiner Helfer« auch das Thema Schreibblockaden ein. Schreibblockaden stellen für für viele (noch) nicht professionell schreibende Autorinnen und Autoren ein großes Problem dar, während Schreibprofis sie sich einfach nicht mehr leisten können. »Oft genügt schon die Angst vor einer Blockade, um tatsächlich blockiert zu werden«, warnt Waldscheidt. Wichtiger aber noch sei die Erkenntnis, dass Schreibblockaden in vielen Fällen »als Stimme Ihres Unterbewusstseins« auf Unstimmigkeiten im Text selbst hinweise.

Stephan Waldscheidts »Autors kleiner Helfer« ist Ratgeber im Sinne von »Man nehme …« Es sind Erfahrungswerte und Vorschläge, wie Probleme erfolgreich angegangen werden können. Welche Lösung jeweils die Beste ist, muss jede Autorin und jeder Autor selbst entscheiden. Vielleicht bringt ihn das E-Book sogar noch auf ganz andere Ideen. Kreativität ist nicht nur beim Schreiben gefragt. Für Autorinnen und Autoren sollte das aber kein Problem darstellen.

Auch wenn sich »Autors kleiner Helfer« vor allem an Romanautoren wendet, lässt sich fast alles sinngemäß auch Sachbuchautoren mitgeben. Von daher habe auch ich als Sachbuchautor von dem E-Book profitiert. Lediglich die Ausführungen über das Recherchieren mag ich für mich nicht unwidersprochen lassen. Ohne umfassende fachliche Vorrecherche droht häufig später doppelte und dreifache Arbeit. Detailrecherchen sollten aber auch hier bis zum Zeitpunkt aufgeschoben werden, dass sie wirklich gebraucht werden.

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