Kopiergeschützte E-Books können den Lesern jederzeit wieder entzogen werden

Dass die Norwegerin Linn wieder Zugriff auf ihr Amazon-Konto und ihre bei Amazon gekauften E-Books hat, ist natürlich erfreulich. Trotzdem gibt es keinen Grund, sogleich wieder zur gewohnten Tagesordnung überzugehen. Im Gegenteil sollte dieser Fall Anlass zu grundsätzlichen Überlegungen sein.

Wer ein gedrucktes Buch kauft, braucht sich keine Gedanken zu machen, ob er es morgen, übermorgen oder in dreißig Jahren noch lesen kann. Wer dagegen ein digitales Buch kauft, muss sich diese Gedanken machen, wenn er keine böse Überraschung erleben will. Dass zukünftige Lesegeräte eventuell alte E-Books nicht mehr öffnen können, ist nur ein Problem. Hiergegen könnte ein rechtzeitiges Umwandeln der E-Books ist neue Formate helfen.

Einfach und legal in andere Formate umwandeln lassen sich allerdings nur E-Books, die nicht kopiergeschützt sind. Kopiergeschützte Bücher müssen dagegen erst vom Kopierschutz befreit werden, bevor sie umgewandelt werden können. Doch das ist nicht nur verboten, sondern erfordert auch entsprechendes Wissen.

Aktuell viel gravierender ist allerdings das Problem, dass alleine die Verlage und Händler von E-Books darüber entscheiden, ob Kunden ihre gekauften E-Books auch tatsächlich lesen dürfen. Meint ein Händler wie im Falle Linn einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen festgestellt zu haben, kann er kurzerhand das entsprechende Kundenkonto sperren und damit zugleich auch den Zugriff auf alle für dieses Konto registrierten kopiergeschützten E-Books.

Übrigens ist Amazon nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Zugriff auf gekaufte digitale Bücher negativ aufgefallen. 2009 löschte Amazon in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zwei E-Books von den Geräten seiner Kunden, weil für den Verkauf die erforderlichen Nutzungsrechte gefehlt haben. Dass die Kunden dies nicht wissen konnten, interessierte Amazon wenig.

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