Heinz Kahlau suchte zeitlebens nach dem zwinkernden Lenin und lachenden Marx

1969 erschien als Poesiealbum 21 ein Heft mit ausgewählten Gedichten von Heinz Kahlau. Der Name Kahlau hatte mir nichts gesagt, aber die 28 in diesem schmalen Bändchen versammelten Gedichte änderten das radikal.

Was mich seitdem vor allem begeistert, ist die Leichtigkeit seiner Gedichte. Sei es ein »Wichtiges Erlebnis«, in dem er ein Frühstück mit »frischer Butter«, einem »knackenden Apfel« und »vor mich hindenken« beschreibt, sei es eine »Peruanische Flöte«, auf der ein Ziegenhirte sein Lied blies. »Die Flöte fanden sie / nach neunmal tausend Jahren. / Das Lied ist fort.«

Möglicherweise auf sein eigenes Leben als Dichter spielt Kahlau in »Schwemmholz« an, in dem es heißt: »Mich haben Sand und Stürme abgeschliffen […] Ich habe nur noch innen meine Kanten.« Als er die Niederschlagung des Aufstandes in Ungarn 1956 in einigen Versen kritisiert hatte, war ihm eine Haftstrafe angedroht worden, der er nur mit einer Selbstverpflichtung als Inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit zu entgehen können meinte.

Unverändert eines der schönsten, wenn nicht gar das schönste Beispiel seiner Lyrik in diesem Poesiealbum ist für mich das Gedicht »Für Heiterkeit«, in dem Kahlau kritisiert, dass »die Porträts der Klassiker / des Marxismus« immer »so ernst / auf uns schaun.«

»War Engels ein Sauertopf? / Warum zwinkert uns Lenin, / der listige Denker, / nicht aufmunternd zu?« Und warum schaue kein »lachender Marx« auf dieses Land herab? Eine Antwort fand er nicht. Trotzdem gab er das Hoffen nicht auf, sondern glaubte, wie er viele Jahre später im Gedicht »Meine Hoffnung« bekannte, weiter daran, dass der Mensch eines Tages »fliegen wie laufen / lernen« werde.

Am Karfreitag ist Heinz Kahlau 81-jährig gestorben.

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