Jupp Mallmann hat aufgeschrieben: die totgeschwiegenen Seiten bundesdeutscher Geschichte

»Jupp Mallmann hat aufgeschrieben«, heißt ein dünnes Bändchen, das im Frühjahr dieses Jahres im Verlag Wiljo Heinen veröffentlicht wurde. Gerade einmal 110 Seiten zählt es, doch diese bieten einen tiefen Einblick in die bundesdeutsche Geschichte: in eine Geschichte, die Politiker und Historiker bis heute am liebsten totschweigen.

Jupp Mallmann wurde 1925 in einer streng katholischen Familie geboren. Er besuchte die katholische Volksschule, wurde Mitglied der katholischen Jungschar. Als er die Schule verlässt, hat der zweite Weltkrieg längst begonnen. Am 3. Juli 1943 wird er eingezogen, am 20. Oktober kommt er an die Ostfront und am 26. Oktober ist der Krieg für ihn bereits zu Ende. In sowjetischer Gefangenschaft beginnt Jupp Mallmann nachzudenken.

Zurück in Deutschland tritt er bald in die KPD und FDJ ein, beteiligt sich an Aktionen gegen die Remilitarisierung und für die Verständigung zwischen den beiden Deutschland. 1950 gehört er zu den Jugendlichen, die zum Deutschlandtreffen nach Ostberlin fahren. Zurück geht es jedoch erst einmal nicht. In den Westen wiedereinreisen darf nur, wer sich bei den westdeutschen Grenzposten registrieren und gegen Typhus impfen lässt. Zwei Tage harren sie aus, dann geben die Behörden auf.

1951 versucht er mit anderen Jugendlichen zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten nach Ostberlin zu fahren. Kurz vor der Grenze werden sie jedoch von der Polizei abgefangen und in ihre Heimatorte zurückgebracht.

Vorgeworfen wird ihm später von der Staatsanwaltschaft aber vor allem die Eifel-Aktion: 1953 war bekannt geworden, dass in der Eifel größere Ländereien für militärische Zwecke beschlagnahmt werden sollten, so wie es bereits 1946 mit dem Dorf Wollseifen geschehen war. Diesmal wehrten sich die Bauern, unterstützt von der KPD, jedoch gegen die drohenden Enteignungen.

Am 2. November 1953 wird Jupp Mallmann wegen Hochverrats verhaftet. Mithäftling ist für kurze Zeit Hubertus Bikker, der in Holland wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt, dann zu lebenslanger Haftstrafe begnadigt worden und schließlich geflohen war. Mit der Haft wird seine Auslieferung verhindert, bis er seine deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hat.

Nach 408 Tagen Einzelhaft wird Jupp Mallmann gegen Auflagen entlassen. Doch das Verfahren läuft weiter. Als am 17. August 1956 das Bundesverfassungsgericht das Verbot der KPD verkündet, bleibt Jupp Mallmann deshalb keine andere Wahl, als in die Illegalität zu gehen, will er nicht wie Hunderte andere Kommunisten eingesperrt werden. In der ihm wenige Monate zuvor zugestellten Anklageschrift des Bundesgerichtshofs war ihm unter anderem sein Eintreten »für die Errichtung eines einheitlichen, unabhängigen, demokratischen Deutschlands, mit dem Ziel des baldigen Abschlusses eines gerechten Friedensvertrages und des Abzugs aller Besatzungstruppen« vorgeworfen worden.

Erst 1968, als im Zuge der neuen Ostpolitik die Gründung einer neuen kommunistischen Partei vorbereitet wird, wird der Haftbefehl aufgehoben. Bis das ihm zugefügte Unrecht offiziell eingeräumt wird, sollten allerdings nochmals 24 Jahre vergehen. Erst 1992 räumte das Bundesjustizministerium ein, dass Jupp Mallmann »Ungerechtigkeiten« zugefügt wurden. Eine Rehabilitierung und Wiedergutmachung wird ihm aber wie Zehntausenden anderen politischen Häftlingen bis heute verweigert.

An vielen Stellen wünschte man sich tiefergehende Informationen. Wer in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte weniger bewandert ist, wird um zusätzliche Recherchern zum Beispiel im Internet nicht herumkommen. Neue Einsichten in die Nachkriegsgeschichte sind aber garantiert.

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