Eine richtige Aussage macht einen Text noch nicht zum Gedicht

Wurden die zum ersten und zweiten Twitterlyrik-Wettbewerb eingereichten Gedichte noch in Buchform und als kostenlos herunterladbare PDF-Datei veröffentlicht, gibt es die Gedichte des dritten Twitterlyrik-Wettbewerb nur als Buch. Offizielle Begründung: Der komplette Gewinn soll den Erdbeben- und Tsunamiopfern in Japan zugute kommen. Deshalb wurde dieses Jahr auch kein Preisgeld ausgezahlt. Auch inhaltlich war der jüngste Wettbewerb mit der Sonderrubrik »Japan« ganz auf diese Katastrophe ausgerichtet.

Ob all das dem Wettbewerb wirklich gut getan hat, wage ich allerdings zu bezweifeln. So hat sich gegenüber dem ersten Jahrgang die Zahl der Teilnehmer nahezu halbiert. Auch wenn man berücksichtigt, dass im letzten Jahr ebenfalls ein Rückgang zu beobachten war, diese Größenordnung sollte doch Anlass zum Überdenken des Konzepts sein.

Gravierender ist für mich allerdings, dass die Jury ihre Entscheidung diesmal fast nur politisch zu begründen vermochte. In »sarkastisch-ironischer Weise« bringe das Siegergedicht »die kurze Aufmerksamkeitsspanne auf den Punkt, die selbst eine so unvorstellbare Katastrophe wie die in Japan sowohl beim Einzelnen als auch in den Medien« bekomme. Ansonsten zeichne es sich gegenüber vielen anderen Gedichten aus, dass es nichts »verkitscht«. Die Frage allerdings, was den Siegertext überhaupt zu einem Gedicht macht, umgeht die Jury wohlweislich, wäre ihr die Antwort doch vermutlich nicht leicht gefallen.

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