Der richtige Lesegenuss will sich bei Jacques Roubauds »Der Verwilderte Park« nicht einstellen

Die meisten Literaturkritiker wussten über Jacques Roubauds »Der Verwilderte Park« nur Gutes zu schreiben. Mir will dieses eindeutige Lob nicht gelingen. Dafür hat sich das nur 128 Seiten schmale Büchlein zu schwer gelesen.

Schuld daran ist nicht die Geschichte.

1942, die Deutschen drohen Toulouse einzunehmen, wir die zehnjährige Dora von ihrem Onkel vor den Nazis in der Corbières in Südfrankreich in Sicherheit gebracht. Dort trifft sie ihren Spielgefährten Jacques wieder. Gemeinsam erkunden sie das Gutshaus, den verwilderten Park, das ehemalige Wasserbassin mit seinem Geheimgang. Die Erwachsenen hören BBC, diskutieren über die faschistische Gefahr, schmieden Fluchtpläne, verstecken Fremde. Als die Deutschen kommen, muss Dora als Jüdin fliehen.

Erzählt wird dieses alles aus der Perspektive von Dora. Obwohl Jacques Roubaud jeden Perspektivwechsel vermeidet und Dora auch keine Gedanken oder Sätze unterschiebt, die für ein Kind dieses Alters absolut unglaubwürdig wären, entsteht doch das frappierende Bild einer scheinbaren, tatsächlich aber bedrohten Idylle, in der eine erste, zarte Kinderliebe genauso ihren Platz findet wie ein heimlich Funksprüche absetzender Engländer. Vor allem verschiedene Satzfetzen, die Dora und Jacques von den Erwachsenen aufschnappen, lassen die Bedrohung der Idylle erkennen.

Warum mich das Buch trotzdem nicht so richtig zu begeistern vermochte, vermag ich nicht mit letzter Gewissheit sagen. Leidet es tatsächlich stellenweise unter Längen? Missfallen mir manche allzu umständlichen Formulierungen? Oder nervte mich einfach nur der das Lesen hemmende Buchsatz?

Oft merkte ich erst beim weiteren Lesen, dass ich offenbar wieder ein Satzende überlesen hatte, so eng klebte der folgende Satz am Punkt. Dafür klafften zwischen den Worten dann wieder breite Lücken. Wenn die Typographie wenigstens einheitlich wäre, aber in anderen Zeilen drängte sich wiederum Wort an Wort. Ursache sind die für das Deutsche mit seinen vielen langen Wörtern zu kurzen Zeilen. Ganz nebenbei entsteht so auch noch der Eindruck der Seitenschinderei. Dass der »Verwilderte Park« und das »Alte Bassin« immer groß geschrieben und durch Unterstreichen hervorgehoben werden, fällt dagegen schon nicht mehr ins Gewicht.

Es mag also auch die Form der Präsentation sein, die für mich den Lesegenuss schmälerte. Schade ist es allemal, dass der Verlag nicht mehr Wert auf eine lesefreundliche Typographie gelegt hat.

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