Ciceros »Vier Reden gegen Catilina«: Brandaktuelle Höhepunkte der Rhetorik

Ciceros »Vier Reden gegen Catilina« mögen nicht für jeden die bevorzugte Urlaubslektüre zu sein, aber wann außer im Urlaub nimmt man sich sonst schon die Zeit für einen solchen, sonst eher von Altphilologen bevorzugten Lesestoff? Mein erster Einstieg lag lange zurück, doch zwei weitgehend verregnete Urlaubstage boten eine gute Gelegenheit, die nur gut 80 Seiten endlich einmal von Anfang bis Ende zu lesen.

Es ist schon erstaunlich, dass Ciceros Reden zweitausend Jahre alt sind und trotzdem überraschend aktuell klingen. Die Rom bedrohende Gefahr komme nicht von außen, prangerte Cicero an, sondern aus dem Innern des Gemeinwesens. Natürlich darf man für Rom nicht einfach Deutschland einsetzen. Aber auch Deutschland wird zunehmend von einer Machtelite bedroht, die nicht am Gemeinwesen interessiert ist, sondern nur noch an der Mehrung von Macht und Profit.

Cicero hatte ein sehr einfaches Weltbild, in dem es zum Beispiel für die Unzufriedenheit der Sklaven und Gladiatoren keinen vernünftigen Grund gab. Wenn es den Bürgern gut gehe, dann gehe es allen Menschen gut, meinte er. Damit erinnert er sehr an die heutigen Politiker, die vom Wohlstand der Konzerne und Banken auf alle Menschen schließen und jede Kritik an den Konzernen und Banken bereits als Kritik am System verstehen.

War Cicero einerseits ein Verteidiger bestehender Machtverhältnisse, übte er andererseits aber auch gerade an jenen Kritik, die im Interesse der eigenen Macht bereit waren, diesen Wohlstand für alle zu opfern. Doch welches sind die Interessen des Gemeinwesens, die es zu verteidigen gilt? Natürlich wäre es sehr platt, Cicero einfach eins zu eins auf unsere Zeit übertragen zu wollen. Die Frage nach dem Gemeinwesen bleibt allerdings als Frage nach dem Gemeinwohl höchst aktuell.

Ganz nebenbei sind die »Vier Reden gegen Catilina« zudem Meisterwerke der Rhetorik, die zu lesen schon alleine deshalb lohnt.

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