Cornelia Oehlert schrieb einen Brief an ihre verlorene Tochter

Cornelia ist 18, als sie ihr Kind bekommt und sogleich wieder verliert. Ein uneheliches Kind gilt 1969 noch als Skandal. So fragen Mutter und Stiefvater gar nicht erst, sondern entscheiden: Das Kind muss weg – und geben es zur Adoption frei. Im Jugendamt, das eigentlich zum Wohle Cornelias und ihres Neugeborenen handeln müsste, finden sie willige Vollstrecker.

Lange braucht Cornelia, um sich auf die Suche nach ihrer verlorenen Tochter zu suchen. Drei Jahrzehnte sind vergangen, seitdem sie dem Druck nachgegeben und der Adoption von Lisa zugestimmt hat. Jahrzehnte, in denen sie von Schuldgefühlen geplagt wird. Erst durch einen Freund erfährt sie, dass eine Suche nach ihrer Tochter nicht erfolglos bleiben muss. Tatsächlich gelingt es ihr, Lisa zu finden. Erst werden einige Briefe ausgetauscht, dann Emails. Doch zur erhofften persönlichen Begegnung kommt es nicht.

Schließlich schreibt Cornelia Oehlert einen »Brief an meine unbekannte Tochter«. Fast 100 Seiten sind es, als sie ihn 2008 als Buch unter dem Titel »Wurzeln für Lisa« veröffentlicht. In ihm versucht sie ihrer Tochter zu erklären, wie alles geschehen konnte. Erzählt von ihrer herrschsüchtigen Mutter, der Scheidung der Eltern und dem frühen Tod des Vaters, dem despotischen Stiefvater, der ersten großen Liebe, der geheimgehaltenen Schwangerschaft, ihren vergeblichen Versuchen, eine Familie zu gründen, der schließlichen Suche nach Lisa. Und sie spricht auch über die oft massive Vorverurteilung von Müttern, die ihr Kind wie sie zur Adoption freigegeben haben. Inzwischen hat Cornelia Oehlert unter www.adoption-herkunftsmutter.de auch eine Website eingerichtet.

Einer klassischen Rezension widersetzen sich die »Wurzeln für Lisa«. Das Buch ist ehrlich geschrieben. Im Gegensatz zu vielen anderen Selbsterfahrungsberichten liest es sich aber auch gut, weil es flüssig geschrieben ist. Nicht zuletzt glänzt es auch mit nur wenigen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern, was für book on demand veröffentlichte Bücher leider nicht selbstverständlich ist und deshalb hier ausdrücklich erwähnt werden soll.

Cornelia Oehlerts Briefroman »Wurzeln für Lisa« bei Amzon

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